(14.07.2017) Halal-Ernährungsfragen der Muslime in der Diaspora. Kreuzkontamination und mit Alkohol benetzte Verpackungen

Halal-Ernährungsfragen der Muslime in der Diaspora

Kreuzkontamination und mit Alkohol benetzte Verpackungen

 

In Gesellschaften mit muslimischer Mehrheit gibt es theologische Fragen, die sich für Muslime gar nicht erst stellen. Wenn man z.B. in einem Land mit überwiegend Muslimen in einem Lokal fragt, ob das Fleisch halal geschächtet ist, wird man entweder verdutzt angeguckt oder beleidigt. Der Kellner erwidert dann, „Glaubst du, ich bin kein Muslim?“ Obwohl die Frage nach einer Halal-Schächtung auch in Ländern mit überwiegend Muslimen gerechtfertigt und legitim. Immer wieder gibt es in solchen Ländern Skandale, wie z.B. dass in bestimmten Fleischsorten, Fleisch von ganz anderen Tieren gefunden werden.

 

Für Muslime, die in Ländern mit überwiegend Nichtmuslimen leben, sind solche Fragestellungen schon im Alltag verankert. Da schaut man in die Zutatenliste und kontrolliert Gelatine oder Emulgatoren, Aromen oder Ethanol. Wie eben ein Vegetarier, Veganer, Allergiker oder auch Ex-Alkoholiker, der kein Tropfen Alkohol zu sich nehmen darf.

 

Bei all diesen Fragestellungen ergeben sich aber auch durch Unkenntnis Problematiken. Vor allem da, wo es in der vermeintlich islamischen Welt keine Antworten auf bestimmte Fragen gibt, weil sie eben, wie oben dargestellt, weder gesellschaftlich noch theologisch gestellt werden.

 

Solche Fragestellungen sind gegenwärtig die Themen Kreuzkontamination oder auch mit Alkohol benetzte Verpackungen.

 

Dabei sind das gar keine neuen Fragen. Die Frage der Kreuzkontamination ist uralt. Auch zu Zeiten vom Propheten Adam oder vom Propheten Muhammed konnte man sich die Frage stellen, was passiert, wenn sich Lebensmittel absolut unbewusst vermischen. Solch eine Situation gibt es ja nicht seit der modernen Technik, sondern eben seit es Menschen gibt. Wir finden aber in keiner einzigen Quelle eine solche Fragestellung. Obwohl die Gefährten des Propheten Muhammed ihn sehr viele Details befragt haben, gibt es dazu keine einzige Erzählung. Und auch der Prophet Muhammed hat – wie es ja theologisch völlig legitim ist – das geschächtete Fleisch der Ahl-u Kitap gegessen, obwohl man ja auch hier die Frage stellen könnte: „Oh Prophet, wir essen zwar das geschächtete Fleisch der Ahl-u Kitap, aber diese essen ja auch Sachen, die haram sind, kann es nicht sein, dass bei der Zubereitung diese vermischt werden?“ Eine solche Frage wäre absolut legitim. Sie gibt es aber nicht. Weil der Islam keine Religion der “Unmöglichkeiten“ oder gegen jede menschliche Natur ist. Der Islam beachtet die Lebensrealität und ist lebensförderlich und nicht lebensfeindlich

 

Auch spätere Gelehrte haben sich so eine Frage nie gestellt, weil es den Grundideen des Islams wiederspricht. Denn Kreuzkontaminationen passieren jeden Tag und überall. Ständig. Es ist völlig unmöglich diese zu vermeiden. Daher antworten die Hersteller von Produkten auch immer, dass sie es nie 100% ausschließen können. Wie denn auch. Es geht hier um Partikel, Substanzen, kleinste (mit dem Auge unmöglich ersichtlichen) Teile. Wir sprechen also bei Kreuzkontaminationen von wirklich absolut geringen (!!) Mengen, die vor allem nicht bewusst, sondern unbewusst (!!) in ein Produkt gelangen könnten (!!), weil Partikel davon auf dem Tisch (!!) sind.

 

Die Situation ist also uralt. Aber die Frage ist neu. Woran liegt das? Im Grunde ist dies ein Ergebnis von modernen Gesellschaften im soziologischen Sinne. Mit der Modernisierung und Industrialisierung hat sich der Islam von einer Lebensweise in eine mathematisch-durchdachte, Schablone-artige Weise umgewandelt. Eingebüßt hat dabei der Geist, die Spiritualität der Religion. Dies ist der Hauptfaktor auch für die Entstehung von politischen Verfärbungen des Islams.

 

Ein anderer Faktor sind leider die sozialen Netzwerke. Hier wird vieles unwissend verbreitet, ohne sich mit den Themen und vor allem Inhalten auseinanderzusetzen. Da werden dann z.B. in dieser Thematik uralte Schreiben kopiert, ohne sie inhaltlich verstanden zu haben und in die gesamte Welt verschickt und als “neu“ verkauft. Dies führt wiederum zu Verwirrung.

 

Gleichzeitig  haben sich, wie oben schon angedeutet, durch die Auswanderung von Muslimen in Ländern mit überwiegend Nichtmuslimen neue Fragestellungen ergeben. Neue Fragen wurden im Alltag wichtig. Fragen, die in der alten Heimat unbedeutend waren, wie die Frage nach dem Fleisch, dass Eingangs beschrieben wurden.

 

Neue Fragen des Alltags bedürfen neue Antworten. Die Frage nach Halal-Fleisch in der Dönerbude wird für einen Muslim erst dann bewusst, wenn er in der Diaspora lebt. Daher gibt es solche “Diaspora-Fragen“, also Fragen, die im “Ausland“ entstehen. Die meisten dieser Fragen sind sehr wichtig und richtig, manche aber total überflüssig.

 

Zu diesen überflüssigen Fragen gehört auch die Frage nach Verpackungen, die mit Alkohol benetzt sind. „Ist das Produkt in der Verpackung dann noch halal?“ wird dann gefragt… solange man die Verpackung nicht isst!

 

 

Cemil Şahinöz

 

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(14.07.2017) Wie religiös ist die Türkei?

Wie religiös ist die Türkei?

 

 

In den letzten Jahren haben in der Türkei sozialwissenschaftliche Studien zugenommen. Der gesellschaftliche Wandel in der Türkei hat auch Institutionen und Einrichtungen hervorgebracht, die diesen Wandel soziologisch untersuchen. Vor allem die Religiosität der Türken in der Türkei steht dabei im Fokus.

 

Hierzu gab es bereits 2014 eine breit angelegte Studie mit dem Titel “Religiöses Leben in der Türkei“. Diese Studie wurde von Diyanet – dem Präsidium für Religionsangelegenheiten in der Türkeiin Kooperation mit dem Statistischen Amt der Türkei durchgeführt. 21632 Personen in 81 Provinzen wurden damals befragt. Die Studie wurde aufgeteilt in sechs Bereiche: Religiöse Identität, Glaube, Gottesdienst, Religionswissen, Leben und Religion, Religiosität.

 

Nun gab es eine ähnliche Studie, die vom Forschungsinstitut MAK durchgeführt wurde. Auch hier wurde die Religiosität der Befragten abgefragt. Die Studie wurde durchgeführt in 30 Großstädten (Ağrı, Aksaray, Artvin, Bayburt, Bitlis, Bolu, Düzce, Elazığ, Giresun, Gümüşhane, Karaman, Karabük, Kars, Kastamonu, Kırıkkale, Kırklareli, Kütahya, Nevşehir, Osmaniye, Sinop, Bilecik, Yozgat und Uşak), 23 Provinzen und 154 Distrikten. 5400 Personen wurden Face-to-Face befragt. % 53,5% der Befragten sind männlich, 46,5% weiblich.

 

An dieser Stelle sollen die Ergebnisse beider Studien (da, wo es geht) verglichen und ein erstes kurzes Fazit gezogen werden.

 

86% der Teilnehmer gaben an, dass sie irgendeiner Religion angehören. 6% bezeichneten sich als Deisten. 4% sind Atheisten und weitere 4% Agnostiker. Zum Vergleich: In der Studie von 2014 gaben 99,2% der Teilnehmer an, dass sie Muslime sind und 98,7% hatten keinen Zweifel darüber, dass es einen Schöpfer gibt. 87,5% bezeichneten sich als religiös. 20,9% gaben an, dass es egal ist, was oder wie sie glauben, solange sie moralisch korrekt sind. Insgesamt ist dies ein deutlicher Rückgang. Zudem gaben 2014 die Befragten an, dass sie 77,5% hanafitisch, 11,1% schafiitisch, 1% Caferitisch, 0,3% malikitisch und 0,1% hanbalitisch sind. 6,3% gaben an, dass sie keiner Rechtsschule angehören und 2,4% wussten ihre Zugehörigkeit nicht.

 

75% der Befragten geben an, dass sie an die Offenbarungen und Engel Gottes glauben, 15% glauben nicht daran und 10% wissen es nicht. In der Studie von 2014 sagten 96,5% aus, dass alles, was im Koran steht, richtig ist und für alle Zeiten seine Gültigkeit besteht. 95,3% glaubten an die Existenz von Engeln, Dschinn und Teufel. Auch hier ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

 

Noch interessanter wird es, wenn man den Bezug zum Koran abfragt. Nur 25% sagen, dass sie den Koran zu Hause haben und lesen. 32% haben den Koran zwar zu Hause, lesen es aber nicht. 33% haben gar keinen Koran zu Hause und 10% haben gar keinen Bezug dazu. Dass heißt, nur 55% haben einen Koran zu Hause. 32% können den Koran lesen, 54% nicht. 14% machen keine Angabe dazu. 25% besuchen einen Korankurs, 65% keinen. 10% geben keine Antwort dazu. 10% haben den Koran schon einmal auf Türkisch gelesen, 60% haben es nicht gelesen und 23% beantworten die Frage nicht. Bei der Studie 2014 sagten 41,9% aus, dass sie den Koran auf Arabisch lesen können.

 

23% haben schon einmal das Leben des Propheten Muhammed gelesen. 65% haben es nicht gelesen. 12% machen keine Angaben dazu.

 

Der Anteil der Befragten, die glauben, dass Gott einen Propheten schickte, beträgt 63%. 20% sagen aus, dass die Propheten Muhammed nicht in allen Lebenslagen zum Vorbild nehmen. 9% glauben an keine Prophetenschaft und 8% machen keine Aussage dazu. 2014 sagten noch 97,7%, dass sie an die Richtigkeit der Propheten glauben.

 

55% glauben an den Schicksalsbegriff. 15% gehen davon aus, dass alles determiniert ist. 10% sagen, dass der Mensch sein eigenes Schicksal macht, 10% glauben nicht an Schicksal und 5% wissen es nicht. Wieder der Vergleich, 98% bestätigten 2014, dass alles mit Gottes Willen geschieht.

 

73% glauben an ein Leben nach dem Tot. 10% glauben nicht daran, dass es ein jüngstes Gericht geben wird. 10% glauben an keine Auferstehung und 8% interessieren sich nicht dafür. 2014 sagten 96,2%, dass sie an ein Leben nach dem Tod glauben.

 

Auf die Frage, ob sie sterben wollen würden, wenn man ihnen das Paradies garantieren würde, sagen 15% „Ja“. 65% sagen „Nein“ und 20% können sich nicht entscheiden.

 

32% geben an, dass sie zum Freitagsgebet und an besonderen Nächten zur Moschee gehen. 30% gehen nie in eine Moschee. 12% nur an den Festtagsgebeten am Ramadanfest und Opferfest. 13% gehen regelmäßig in die Moschee. 13% geben keine Antwort dazu.

 

Die Grundsäule des Islams ist das 5-mal-tägliche Beten (salat). 22% sagen, dass sie 5-mal täglich beten. Exakt der gleiche Anteil von 22% ergibt sich bei den Personen, die nie beten. 26% beten ab und zu, 26% beten das Freitagsgebet und Festtagsgebete. 6% antworten nicht. 2014 gaben 42,5% an, dass sie 5-mal am Tag beten und 16,9% sagten, dass sie das rituelle Gebet nicht einhalten. 57,5% besuchten regelmäßig das Freitagsgebet. 74,4% fühlten sich unwohl, wenn sie keine Gottesdienste machen. 7,9% sagten, dass es eins der wichtigsten Kriterien für Religiosität es ist, an wichtigen religiösen Tagen Gottesdienste abzuhalten

 

Der Anteil erhöht sich bei den Fürbittgebeten (dua). 75% geben an, dass sie Fürbittgebete machen. 10% gelegentlich, 6% nie und 4% machen keine Aussage dazu. 2014 machten 92,5% Fürbittgebete, auch ohne einen speziellen Grund hierfür zu haben.

 

Auch beim Fasten ist ein höherer Anteil ersichtlich. 45% sagen, dass sie fasten. 25% fasten gelegentlich. 30% fasten nie und 10% verweigern die Antwort. 2014 gaben 83,5% an, dass sie fasten, wenn es ihre Gesundheit zu lässt.

 

30% beziehen ihre Religionskenntnisse aus theologischen Büchern. Für 45% sind Internet und Fernsehen die Quelle ihrer Informationen. 20% fragen jemanden, dem sie zuschreiben, dass er es wissen müsste. 5% antworten nicht. 2014 sagten 47,4%, dass sie ihr meistes religiöses Wissen im Alter von 6 bis 10 Jahren angeeignet haben.

 

15% sehen sich zu einer islamischen Gruppierung zugehörig. 60% haben keinen Bezug. 25% machen keine Angaben dazu.

 

Auch zur Gülen Bewegung gibt es eine Frage. Es wird gefragt, ob die Bewegung dazu geführt hat, dass man skeptisch gegenüber religiösen Gruppierungen geworden ist. 35% bejahen diese Aussage. 50% sagen daher, dass der Staat solche Gruppierungen prüfen muss. 12% sagen, dass sich nichts verändert hat und 3% sind unentschlossen. 2014 sagten 50,5%, dass religiöse Gruppen wichtig sind.

 

51% der Befragten sagen, dass die Religion bei der Wahl des Ehepartners wichtig ist. Da der Anteil der Praktizierenden nicht so hoch ist, kann hier davon ausgegangen werden, dass Religion teilweise als Kultur aufgefasst wird, obwohl Kultur und Religion auch im Widerspruch zueinander stehen können. 24% sagen, dass Religion bei der Wahl des Ehepartners teilweise wichtig ist. Für 20% ist es nicht wichtig und 5% sind unentschlossen. 2014 sagten 92%, dass nach der Standesamtlichen Trauung, auch die Trauung vor einem Imam stattfinden muss.

 

30% wünschen sich, dass ihre Ehepartner genau so religiös sind, wie sie selbst. 45% wünschen sich, dass der Ehepartner religiöser ist als man selbst und 15% weniger als man selbst. 10% ist der Anteil der Unentschlossenen.

 

Bei der Begrüßung sagen 41% “Assalamu Alaikum“, 24% sagen “Hallo-Guten Tag“, 30% sagen slanghaft “Wie geht´s?“ und 5% geben keine Antwort dazu.

 

Interessant ist der Anteil der Personen, die sagen, dass der Politiker, den sie wählen, religiös sein sollte. Für 51% ist das wichtig. Religion wird hier verknüpft mit Vertrauen und Ehrlichkeit. 24% sagen, dass es teilweise wichtig ist. 20% sehen es nicht als wichtig an und 5% machen keine Aussage dazu.

 

54% bejahen die Fragen, ob sie sich einen Khalifen wünschen. 40% sagen „Nein“. 6% machen keine Angaben dazu.

 

90% geben an, dass sie es bereuen, wenn sie sündigen. Ein sehr hoher Wert. 2% bereuen es nicht und 8% geben gar keine Antwort dazu. 2014 waren 46% der Meinung, dass Gebotenes und Verbotenes im Kontext der Gegenwart noch einmal bedacht werden müsste.

 

65% machen die Ganzkörperwaschung, die in bestimmten Situationen eine theologische Wichtigkeit hat. 17% machen es ab und zu, 13% wissen nicht, was das ist und 5% haben keine Meinung dazu.

 

Aus der Studie von 2014 gab es noch weitere Ergebnisse, die hier aber nicht vergleichbar sind: 85% sagten, dass sie die Pilgerfahrt nach Mekka machen würden, wenn sie die Gelegenheit dazu finden. 72% der Teilnehmer machten jährlich ihre Zakat-Abgaben. 71,6% der Frauen bedecken sich. 69,5% schlachteten ein Opfertier zum Opferfest, wenn sie dazu in der Lage sind. 61,5% gaben an, dass durch den Laizismus der Islam frei gelebt werden kann. 7,1% gaben an, dass es nicht gegen das (religiöse) Recht eines anderen verstößt, wenn man sich nicht an die Verkehrsregeln hält. 6,4% waren der Meinung, dass es keine Sünde ist, Alkohol in einer Menge zu trinken, dass nicht betrunken macht. 11,7% glaubten, dass nicht islamkonforme Praktiken nötig sind, um sich vom Einfluss von bösen Blicken zu befreien

 

Auch im Jahren 2014 führte Diyanet eine weitere Studie durch. Diese kam zum Ergebnis, dass viele Praktiken einen vorislamischen Hintergrund haben. 1380 unterschiedliche Praktiken konnten dazu festgestellt werden. Die meisten thematisierten die Familie. Die Bereiche lassen sich aufteilen in: 335 Familie, 319 Glück und Unglück, 272 Beerdigung, 78 Gesundheit, 73 Grabmal, 49 Frühlingsfest Hıdırellez, 39 Leben nimmt einen positiven Weg ein, 36 rituelles Gebet (salat), 31 Böser Blick, 26 Fürbittgebet (dua), 25 Opfer, 23 Pilgerfahrt, 17 Religiöse Tage, 12 Gast, 12 Feiertage, 9 Zauber, Fluch, 9 Dschinn, Geister, 8 Aschura, 7 Gebotenes-Verbotenes, 6 Amulett, 2 Sonnen- und Mondfinsternis.

 

FAZIT: Insgesamt ist deutlicher Rückgang, sowohl in Bezug auf die Glaubensinhalte als auch in der Orthopraxie ersichtlich. Dass heißt, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis (in der Umsetzung im Alltag) gibt es große Defizite und einen großen Rückgang in der Religionsausübung.

 

Auch wenn die Diyanet-Studie viel repräsentativer ist als die MAK Studie, da sie umfangreicher und in der gesamten Türkei durchgeführt wurde, ist in der MAK Studie eine Tendenz ersichtlich. Die türkische Gesellschaft wird nicht unbedingt religiöser. Studien zu anderen Themen belegen eine steigende Wirtschaftlichkeit, Verstädterung und Modernisierung der Türkei. Doch die Religiosität schwankt.

 

 

 

Cemil Sahinöz, Islamische Zeitung, 14.07.2017

https://www.islamische-zeitung.de/wie-religioes-ist-die-tuerkei/

 

Huffington Post, 16.07.2017

http://www.huffingtonpost.de/cemil-sahinaz/wie-religioes-ist-die-tue_b_17473706.html

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(03.07.2017) Scharia vs. Grundgesetz? Ein Lebensweg und kein Grundgesetz

Scharia vs. Grundgesetz?

Ein Lebensweg und kein Grundgesetz

 

 

Diskussionen auf dem Bild-Niveau sprechen immer davon, dass für Muslime die Scharia über dem Grundgesetz steht. Die Muslime würden sich daher nicht an das Grundgesetz halten, sondern an die Scharia und an den Koran.

 

Was in Diskussionen auf diesem Niveau nicht behandelt, ja nicht einmal hinterfragt wird, sind Fragen, was überhaupt die Scharia ist, was es genau bedeutet, was es heißt, es mit dem Grundgesetz zu vergleichen.

 

Dabei ist die Scharia, nicht wie immer wieder angenommen, ein Regelwerk oder ein Grundgesetz, sondern es ist eine Lebensweise der Muslime. Wortwörtlich übersetzt heißt Scharia „der Weg zur Tränke“, sinngemäß heißt es „der gerade Weg“. Es ist also ein “Weg“, eine Lebensweise, eine Lebensphilosophie. Ein Weg, der zur Weisheit und Reife führen soll.

 

Ich habe nicht vor, eine Abhandlung über die Scharia zu schreiben. Aber zum Verständnis nur kurz: Die (Rechts)Quellen der Scharia sind der Koran (Offenbarung Gottes), die Sunna (Taten und Aussprüche des Propheten), Idschma (Konsens der islamischen Rechtgelehrten) und Qiyas (Analogieschluss). Die Scharia ist daher ein System, das aus diesen Quellen geschöpft wird.

 

An Hand dieser Quellen sehen wir aber, dass 99% der Scharia aus Moral, Ethik, Gottesdienst, Jenseits und Tugend besteht. Daher ist die Scharia keine bloße Rechtsordnung oder ein Gesetzbuch, sondern eine Lebensweise. So ist die Scharia auch nicht verschriftlicht oder kodifiziert. Wer nach einem “Sharia-Gesetzbuch“ sucht, sucht also vergebens.

 

Ohnehin war die Scharia oder der Koran noch nie in den muslimischen Gemeinschaften das Grundgesetz. Noch nie hat der Koran das Grundgesetz ersetzt. Jedes Land, in dem überwiegend Muslime lebten, hatte selbstverständlich ein Grundgesetz. So z.B. als der Prophet Muhammed in Medina “regierte“. Hier wurde nicht die Scharia als Gesetzbuch genommen, sondern eine Verfassung, die alle Religion und Kulturen mitberücksichtigte.

 

Naturgemäß ist es so, dass das Grundgesetz vom Koran inspiriert war. So wie auch gegenwärtig viele Grundgesetze in Europa und der Welt von der Bibel, oder das Grundgesetz in Israel von der Thora inspiriert sind. Grundlegende Werte, wie Demokratie, Meinungsfreiheit oder Menschenrechte sind aus den Offenbarungen inspiriert. So haben auch muslimische Gemeinschaften ihre Inspiration aus dem Koran geschöpft. Dabei waren die Grundsätze „Jeder ist frei in seiner eigenen Religion“ und „Jeder ist frei in der Religionsauslebung“ nicht nur bloße Theorien, sondern gelebte Praxis. Dies sehen wir auch beim Propheten Muhammed, der in Medina als Oberhaupt der Bevölkerung, die Christen und Juden ihre Religion ausüben lies. Die Rechte der Christen und Juden zur Religionsausübung waren in der o.g. Verfassung fest verankert.

 

Auch gab es in der Geschichte nie ein Land, eine Nation oder eine Gemeinschaft, dass sich “Islamisches Land“ oder ähnlich bezeichnete. Als der Prophet Muhammed nach Yathrib kam, wurde der Name in Medina umgeändert, was einfach nur “Stadt“ bedeutet. Auch das Osmanische Reich, welches 623 Jahre herrschte, nannte sich in all diesen Jahrhunderten nicht “Islamischer Staat“. Daher kann sich keine Gemeinde, Nation oder Land heute das Recht nehmen, sich so zu bezeichnen. Nicht Länder, sondern Personen sind muslimisch.

 

Daher sind Diskussionen, ob die Scharia mit dem Grundgesetz vereinbar ist, kompletter Unsinn und zeigen nur eine große Unkenntnis gegenüber dem Islam. Sie dienen häufig nur als Polemik und sollen eine gewisse Islamophobie verschleiern.

 

 

Cemil Şahinöz, Islamische Zeitung, Juli 2017
https://www.islamische-zeitung.de/ein-lebensweg-und-kein-grundgesetz/

cemil@misawa.de

https://www.facebook.com/CemilSa

 

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(30.06.2017) Ein Fest für alle Religionen

NW, 30.06.2017

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(28.06.2017) Die Wahrnehmung des Islams in der Gesellschaft

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Juni 28, 2017 · 2:45 pm

(24.06.2017) KulTürk iftari

Öztürk, Temmuz 2017

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Eingeordnet unter News, Berichte, Presse

(23.06.2017) Ramadan Event 2017 (WDR, 23.06.2017)

 

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