Schlagwort-Archive: Körper

(21.08.2010) „Fasten ist Ölwechsel für den Körper“

haber (175)

Westfalen Blatt, 21.08.2010

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter News, Berichte, Presse

(01.02.2010) Die spirituelle Anatomie des Menschen

Die spirituelle Anatomie des Menschen

Die moderne Medizin beschäftigt sich mit der “sichtbaren“ Anatomie des Menschen. Kopf, Füße, Nieren, Adern, Knochen sind die Grundsteine unserer medizinischen Arbeit. Jedoch besteht der Mensch nicht nur aus Fleisch und Blut, also dem Sichtbaren. Der Mensch trägt auch “Teile“ in sich, die nicht erfassbar sind, wie z.B. Gewissen, Gedanken, Seele, Verstand. Es gibt sogar einen Körperteil, der sowohl zum Sichtbaren als auch zum Unsichtbaren zugeordnet wird: das Herz. Wir kennen einmal den Herzen, der links in unserem Körper sitzt und Blut pumpt und den Herzen, der liebt uns hasst, Freude und Schmerzen empfindet.

Die Psychologie arbeitet desweilen mit dieser spirituellen Anatomie des Menschen. Sie versucht dem auf die Spur zu gehen und sie – bei Krankheiten – zu behandeln. Denn genauso, wie die “normalen“ Körperteile des Menschen behandelt werden müssen, müssen auch die Unsichtbaren Teile im Menschen, die es gibt, erforscht, analysiert und gegebenenfalls behandelt werden.

Wenn der Mensch hungrig wird, stillt er seinen Hunger, in dem er eine Nahrung zu sich nimmt. Der Mensch muss also essen, damit er fortbestehen kann. Der biologische Körper des Menschen braucht die Nahrung. Die Seele des Menschen braucht ebenfalls seine Nahrung. Die Nahrung der Seele sind Zufriedenheit, Liebe, Geborgenheit, Verständnis, Freude, Glück etc. Der Mensch kann noch so viel Materielles um sich haben, er kann sich auch für den reichsten Menschen der Welt halten; er wird nicht glücklich, solange er seine Seele nicht “füttert“. Aber andersherum sehen wir, dass der Mensch auch glücklich und zufrieden sein kann, wenn er “wenig“ Materie hat. Es sind also nicht die Materie und das Reichtum, die zum inneren Frieden führen. Daher muss die Priorität in diesen unsichtbaren, unfassbaren “Nahrungen“ liegen. Denn dieser erfüllen den Menschen, egal in welcher misslichen Lage er sich auch befindet.

Der Mensch hat also Bedürfnisse der Seele, die gestillt werden müssen. Die spirituelle Anatomie des Menschen muss auch seine Nahrung erhalten. Leider wird diese zu oft vernachlässigt und zu oft überhaupt nicht wahrgenommen. Hierdurch entsteht eine Leere im Menschen, die anderweitig versucht wird zu füllen. Beispielsweise sehnt sich das Herz nach Liebe und Geborgenheit von den Allernächsten. Bekommt es diese nicht, wird diese Nahrung woanders gesucht. Meistens wird sie gestillt durch Cyberfreunde im Internet. Dass daraus keine gesunde und stabile Identität entstehen kann, liegt auf der Hand.

Genauso, wie es zwischen den Nahrungen Unterschiede gibt, gibt es auch zwischen den spirituellen und seelischen Nahrungen Unterschiede. Der Hauptgang, das Brot für die Seele ist ganz gewiss die Verbindung zu seinem Schöpfer selbst. Diese Nahrung ist es, die der Seele in allen Notlagen Halt und Sicherheit bietet. Sie ist es, die den Menschen Kraft und Geduld, Energie und Ausdauer gibt. Zu wissen, „Ja, es gibt Jemanden, der mich sieht und hört, und der in der Lage ist, mir zu helfen“ gibt dem Individuum, egal welcher Religion er auch angehören mag, einen inneren Frieden.

Der Mensch muss also wieder auf seine Basics zurück. In seine innersten “Organe“, in seine Gefühle.

Die Gesellschaft muss noch einmal genauer hinschauen…

Ist es möglich, dass wir uns mit Geld, Reichtum, schönen Autos und großen Häusern zufrieden stellen?

Wir haben die beste Technik, die am weitesten entwickelten Wissenschaften….

Wir sind in der Lage, jeden Punkt der Welt in jeder Sekunde zu beobachten….

Doch wir sind nicht in der Lage, einen inneren Frieden, einen Segen, eine Ruhe und Gelassenheit den Menschen in unserer Gesellschaft zu geben.

Wir sind nicht in der Lage, trotzt all dieser Erkenntnisse und Berechnungen, Frieden in uns und mit uns zuschließen.

Wir kennen jeden Winkel des Universums, wir können die Sterne berechnen, doch wir sind nicht in der Lage zu berechnen, wie viel das “unsichtbare“ Herz eines Menschen wert ist und was es kostet, ein gebrochenes Herz wieder zu heilen?

Durch Vernachlässigung dieser Tatsache, also dass der Mensch eine spirituelle Anatomie hat und dass diese gefüllt und erfüllt werden muss, wird der Mensch nur auf seine Sichtbarkeit reduziert. So wird der Mensch, der vom Qualität her eine äußert komplexe Frucht des gesamten Universums ist, reduziert auf einen Roboter ohne Gefühle. Gerade in der Moderne wird zu sehr auf das Materielle im Menschen wertgelegt. Das spirituelle oder seine Seele kommen da zu kurz. Steigende Selbstmordzahlen und Depressionen sind klare Anzeichen hierfür.

Die spirituelle Anatomie des Menschen ist wichtiger als je zuvor…

Cemil Sahinöz
Publiziert in: Ayasofya Nr. 30, 2010, S.42-43

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Deutsche Kolumne

(04.01.2008) Buchrezension: Das Körper ABC

Das Körper ABC

Dietrich Grönemeyer, der Bruder des weltberühmten Sängers, beschreibt mit einer einfachen Sprache so komplexe Themen wie Kreislauf, Stoffwechsel, Bewegung und Nerven. Das Buch ist ein praktisches Nachschlagewerk und ein spannender Ratgeber, in dem man viele nützlich Dinge über den menschlichen Körper erfährt.

Cemil Sahinöz

Hürriyet – 04.01.2008

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Rezensionen

(29.11.2007) Die Frau (und der Mann) im Islam – Differente Bedeutung der Körperlichkeit im Islam und im Christentum

Die Frau (und der Mann) im Islam?

Differente Bedeutung der Körperlichkeit im Islam und im Christentum

 

Die meisten Bücher, die über den Islam geschrieben werden, tragen den Titel „Die Frau im Islam“. An einen Titel wie „Der Mann im Islam“ haben sich bisher nur wenige getraut. Auch findet man so gut wie keine Bücher zum Thema „Die Frau im Buddhismus“, „…im Hinduismus“, oder „… in der Scientology“.

 

Dabei herrscht aber eine große Unkenntnis über den Aufbau der Gemeinschaft, die der Islam schafft. Die starre Anwendung der einen Kultur auf die andere, bringt nicht nur falsche Ergebnisse sondern führt auch in eine Sackgasse. Einige der Unterschiede, die beachtet werden müssen, werden nun in dieser kurzen bescheidenden Arbeit skizziert.

 

In einigen Gesellschaften steht das Individuum im Zentrum der Betrachtungen. Im Islam jedoch, ist nicht das Individuum sondern die Gemeinschaft, die umma, das ausschlaggebende.

 

Die Ausblendung des Körpers ist ein zentraler Punkt einiger Gesellschaften. Es herrscht eine Leib- und Sexualfeindlichkeit. Es gibt eine horizontale Trennungslinie. Somit gibt es eine Körperlosigkeit. Im Islam ist dies aber gegenteilig. Der Islam hat eine vertikale Trennungslinie. Körper und Leib werden positiv bewertet (Mihyicazgan, 1994, S. 46).

 

Es gibt Gesellschaften, in denen der Körper als Übel der Existenz gilt. Die Augustinische Lehre von der Erbsünde führt zur Leibfeindlichkeit des Menschen. Sexuelle Bedürfnisse kommen demnach vom Teufel. So ist Leib eher mit Leiden als mit Lust zu assoziieren (siehe als Beispiel Jesus am Kreuz). Dieses Gedankengut führte dazu, dass in der Aufklärungszeit sowohl das Christentum als auch der Körper an Bedeutung verloren. Man spricht hier von einer Entkörperlichung. Die Gesellschaft wurde zu einem geschlechtsneutralen Raum. Diese Trennungslinie galt dann als „normal“ und „natürlich“. Andere Gesellschaften hätten sich daran zu halten, weil sie „gut“ sei. Allerdings ist sie nicht wirklich naturgebunden, sondern kulturell konstruiert (Mihyicazgan, 1993, S. 93ff).

 

 

In islamischen Gesellschaften sehen wir eine Trennung zwischen Mann und Frau im öffentlichen Raum. Aber nicht, weil der Mann über der Frau oder die Frau über dem Mann steht, sondern da der Körper anders wahrgenommen wird. Männer und Frauen haben überall im gesellschaftlichen Leben ihre eigenen Räume. Körper und Sexualität werden positiv bewertet. Sie, Mann und Frau, bilden in der Ehe eine Einheit (Mihyicazgan, 1993, S. 94ff)

 

Wenn solche Unterschiede nicht beachtet werden oder gar nicht bekannt sind, kann keine qualitative Analyse zu Stande kommen. Da man die Unterschiede nicht beachtet, glaubt man, die Trennung des öffentlichen Raumes in muslimischen Gesellschaften, wäre eine Unterdrückung des jeweils anderen Geschlechtes.

 

Themen wie z.B. das Kopftuch sind ein Paradebeispiel für die Sackgasse derartiger Arbeiten, die bestimmte Schablone auf islamische Gesellschaften zu übertragen versuchen. Das Kopftuch ist weder eine Erfindung des Propheten Muhammed noch eine Form der Unterdrückung an der Frau. Da der Körper im Islam positiv ist, gibt es sowohl für den Mann als auch für die Frau Bedeckungsformen. Die Verhüllung ist dann ein Ausdruck des Körperbewusstseins (Mihyicazgan, 1993, S. 95).

Cemil Sahinöz

Literatur:

  • Mihciyazgan U.: Die Macht der Kultur. Muslime in einer christlich geprägten Gesellschaft. In: Leggewie C., Senocak Z. (Hrsg.): Deutsche Türken. Das Ende der Geduld / Türk Almanlar. Sabrin Sonu. Rowohlt: Reinbeck bei Hamburg, 1993, S. 92-102
  • Mihciyazgan U.: Identitätsbildung zwischen Selbst- und Fremdreferenz. Überlegungen zur Beschreibung der Identität muslimischer Migranten. In: Schreiner P. (Hrsg.): Identitätsbildung in multikultureller Gesellschaft. Münster, 1994, S. 31-48

Publiziert in: Ayasofya, Nr.21, 2007, S.37

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Deutsche Kolumne