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(31.08.2008) Ist eine Reformation im Islam nötig?

Ist eine Reformation im Islam nötig?

1.0 Einführung

Im abendländischen Diskurs werden Stimmen laut, die eine Reformation oder Aufklärung des Islams fordern. So kommen nun auch aus den muslimischen Reihen Ansichten, die einen „neuen“ Islam anstreben und verlangen. Zu der letzteren Kategorie können wir auch den so genannten „Gemäßigten Islam“, den „Euro-Islam“ von Bassam Tibi (1992) oder den „Aufgeklärten Islam“ nennen.

Ich werde nun im Folgenden aufzeigen, dass der Reformations-Diskurs christlich geprägt ist und zumindest in diesem Umfang nicht dem Islam übertragbar ist. Hierzu müssen wir zunächst einen historischen Exkurs machen. Wir werden aber die Geschichte im Kontext der Wissenschaft betrachten, da diese als Argument der „Islam-Reformer“ gilt. Zudem steht nicht das Christentum als Religion, sondern die Kirche als Institution des Christentums im Zentrum unserer Überlegungen.

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(05.08.2008) Jesus im Islam

Jesus im Islam

Muslime, Christen und Juden führen alle ihren Ursprung auf den Propheten und Patriarchen Abraham zurück, und ihre drei Propheten sind direkte Nachkommen der Söhne Abrahams – Muhammed über den ältesten Sohn Ismael, und Moses und Jesus über Isaak (Friede auf ihnen allen).

Ein hervorstechender Aspekt des islamischen Glaubens an das Prophetentums ist es, dass die Muslime an alle Gesandten Gottes ohne Ausnahme glauben und sie achten. Da alle Propheten von dem Einzigen Gott kamen, für den selben Zweck, die Menschheit zu Gott zu leiten, ist der Glaube an sie wichtig und logisch; einige anzuerkennenden und andere zurückzuweisen muss auf Missverständnissen bezüglich der Rolle der Propheten beruhen oder auf rassistischen Vorurteilen.

Nur die Muslime betrachten den Glauben an alle Propheten Gottes als einen Glaubensartikel. So weisen die Juden Jesus und Muhammed zurück; die Christen weisen Muhammed zurück und in Wirklichkeit auch Moses, weil sie nicht an den Gesetzen, die er übermittelte festhalten. Die Muslime nehmen sie alle als Gesandte Gottes an, die der Menschheit Leitung brachten. Daher ist Muhammed (Friede sei mit Ihm) weder der erste noch der einzige Prophet, an den die Muslime glauben. Der Glaube an alle Gesandten Gottes ist Muslimen im Koran befohlen:

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(25.04.2007) Friendship of the Civilizations – Dialog der Kulturen

Dialog der Kulturen

Friendship of the Civilizations

In einem Zeitalter, in dem der Begriff „Clash of the Civilizations” nicht mehr Theorie, sondern eher Medien-, Macht- und Werbemittel ist, ist der Dialog der Kulturen, den ich “Friendship of the Civilizations” nenne, wichtiger als den je.

 

Ali, der 4. Khalif des Islams, sagte einmal: „Der Mensch mag das nicht, was er nicht kennt!“ Man könnte diesen Satz als die Quelle des oben zitierten Clashs nehmen. Erst wenn sich die Menschen kennenlernen, übereinander und voneinander Lernen und merken, dass sie eigentlich gar nicht so verschieden sind, wie sie sich dachten, entsteht Verständnis füreinander und der Untertitel meines Beitrags kommt zu Stande; nämlich Friendship.

 

Auch der Soziologe Wolf Lepenies zweifelt am „Kampf der Kulturen“. Er glaubt nicht, dass ein unausweichlicher „Kampf der Kulturen“ der Welt bevorsteht und setzt stattdessen auf ein „Hoffnungsbild kultureller Lerngemeinschaften“.

 

Ja, die multikulturelle Gesellschaft ist viel homogener als wir immer denken oder einige glauben möchten. „Das Unbekannte“ oder „der Fremde“ kommen einem öfters „anders“ vor. Erst das Aufeinanderzugehen, Sichkennenlernen eröffnet neue Sichtweisen und neue Perspektiven.

 

So sind die Menschen laut einem Vers im Koran bewusst und absichtlich vom Schöpfer unterschiedlich erschaffen worden, damit sie sich aneinander kennenlernen. Diese Unterschiedlichkeit soll die Neugier zueinander erwecken; die Neugier, sich kennenzulernen.

 

Dieser Vers ist der folgende: „O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Angesehenste von euch bei Gott, das ist der Gottesfürchtigste von euch“ (Der Koran: 49,13).

 

Der Islamgelehrte Said Nursi interpretiert diesen Vers folgendermaßen: „Damit ihr die Anlässe des gesellschaftlichen Lebens kennen lernt, euch dabei gegenseitig unterstützt und nicht euch gegenseitig verleugnet und miteinander im Streit liegt“ (Nursi, 2004, S.444).

 

Nursi war der Meinung, dass die Muslime nicht nur unter muslimischen Mitgläubigen zusammenhalten sollten, sondern auch mit den wahrhaft Frommen und mit den christlichen Geistlichen; sie sollten nicht auf die Meinungsverschiedenheiten eingehen und streiten. Damit meinte Nursi nicht, dass es zwischen Muslimen und Christen keine Unterschiede gibt oder diese unwichtig seien. Vielmehr meint er, dass die „ausschließliche Konzentration auf diese Unterschiede, sowohl die Moslems als auch die Christen von ihrer noch wichtigeren Aufgabe abhalten kann, der modernen Welt eine Lebens- und Gesellschaftsvision anzubieten, in dessen Zentrum der Glaube an Gott steht und dessen moralischer Wertmaßstab der Glaube und das Suchen des Gotteswillens ist“ (Michel, 2004, S.17).

 

Die Unterschiede zwischen den Religionen sind also gegeben. Doch diese sollten nicht das Zentrum des Zusammenlebens bilden. Die Gemeinsamkeiten können mit einem aufrichtigen Dialog hergestellt werden, frei dem Motto: Dialog verbindet Menschen!

 

Weiterhin heißt es im Koran: „Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift“ (Der Koran: 29,46). „Gott verbietet euch nicht, denen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft haben und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, Pietät zu zeigen und Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Gott liebt ja die, die gerecht handeln“ (Der Koran: 60,8). Hier wird dem Muslim geraten gütig zu sein und billig zu verfahren. Die Leute der Schrift sind laute dem Koran die Juden, die Christen und die Sabäer.

 

Vom Islam her sind also dem Dialog der Religionen und der Kulturen keine Schranken gesetzt. Wichtig ist nur, dass die Aufrichtigkeit betont wird. Ein Dialog kann nur geführt werden, wenn auf beiden Seiten Aufrichtigkeit gezeigt wird und keine „zweifelhaften Spielchen getrieben“ werden. So steht z.B. die Missionierung genau im Gegenteil des Dialogs. Eine gegenseitige Missionierung führt zu Zwietracht und Missverständnissen.

 

Dem „Friendship of Civilizations“ steht also nichts im Wege. Nur die Bereitschaft und die Aufrichtigkeit zum Dialoge muss gezeigt werden. Es steht also eine menge Arbeit vor uns! Packen wir es an!

Cemil Sahinöz

Literatur:

· Der Koran. Übersetzung von: Khoury Adel Theodor. Unter Mitwirkung von Abdullah Muhammed Salim. Gütersloher Verlagshaus: Gütersloh, 1987

· Michel T.: Christlich-Islamischer Dialog und die Zusammenarbeit nach Bediüzzaman Said Nursi. Söz Basim: Istanbul, 2004

· Nursi S.: Die Briefe. Sözler Verlag: Istanbul, 2004

Erschienen in Ayasofya Nr.19, April 2007

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(15.02.2007) Die fantastische Anwendung der Logik

Die fantastische Anwendung der Logik

Ein kleines Erlebnis

 

aus dem Buch: „Wer Bist Du? Die Reise des Menschen“ von Cemil Sahinöz.

 

 

An einer Bildungsanstalt:

Ein Professor der Philosophie steht vor seiner Klasse und bittet einen seiner neuen Studenten aufzustehen.

„Du bist Muslim, nicht wahr?“

„Ja, Herr Professor.“

„Also glaubst du an Gott?“

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(01.12.2006) Papst betet in Blauer Moschee

Papst betet in Blauer Moschee

Papst Benedikt betete in Richtung Mekka

Papst Benedict besuchte am dritten Tag seiner Türkeireise die zwei großen „Moscheen“ Istanbuls. Zunächst machte er einen Rundgang durch die Altmoschee Hagia Sophia, die heute ein Museum ist. Danach betrat er ohne Schuhe die berühmte Blaue Moschee.

30 Sekunden Gebet

In der Blauen Moschee führte ihn Istanbuls Großmufti Mustafa Cagrici durch die Moschee. Cagrici zeigte ihm die verschiedenen Einrichtungen der Moschee und zeigte ihm, wie Muslime beten.

Danach passierte etwas, was die Weltpresse in Sensation auslöste. Als der Großmufti gerade die Bedeutung der Gebetsrichtung für die Muslime erklärte, schlug er vor, zusammen eine halbe Minute in Richtung Mekka zu beten.

Papst in der Kıyam-Stellung

Der Papst und der Großmufti kreuzten die Arme wie beim muslimischen Gebet in der Kıyam-Stellung und beteten 30 Sekunden. Diese Geste der beiden Glaubensmänner wurde weltweit positiv anerkannt.

„Skandal für die Welt“

Auch zum gestrigen Treffen mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios sagte der Papst heute einige Worte. Die Spaltung zwischen den Kirchen sei ein „Skandal für die Welt“. So lud er die Kirchenführer der weltweit rund 300 Millionen orthodoxen Gläubigen zu einem Dialog ein.

Cemil Sahinöz | KISMET 01.12.2006

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(30.11.2006) Der Papst in Istanbul

Der Papst in Istanbul

Benedikt der XVI. möchte Kirchen vereinen

Papst Benedikt der XVI. setzte seine Reise durch die Türkei fort. Die erste Station am Mittwoch war das „Marienhaus“ (Haus der Maria) in Ephesus. Die Reise zum Hause der heiligen Maria gilt für Katholiken als Pilgerfahrt. Ephesus wird als ein Wallfahrtsort gesehen.

So meinte der Papst bei der Messe in Ephesus, die für die kleine christliche Gemeinde abgehalten wurde, er sei nun ein Pilger. Gleichzeitig war dies die erste Messe des Papstes auf einem muslimischen Boden. Nach der Messe hielt Papst Benedikt nicht die Fahne des Vatikans, sondern die Fahne der Türkei in den Händen.

Ausnahmezustand in Istanbul

Die nächste Station des Papstes war die größte Stadt der Türkei, Istanbul. 80 Journalisten aus aller Welt begleiteten den Papst in Istanbul. Die Innenstadt Istanbuls war weiträumig abgesperrt. Anwohner mussten sich registrieren. Bestimmte Bereiche der Stadt konnten nur mit Berechtigung betreten werden.

Katholiken und Orthodoxen vereinen

In Istanbul kam es zum eigentlichen Zweck der Türkeireise. Das Oberhaupt der Katholiken traf sich im Istanbuler-Stadtteil Fener mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios. Dieses Treffen galt als Aussöhnung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche. Im Gottesdient in Fener verkündete der Papst seinen Willen, „die tausend Jahre alte Kirchenspaltung zu überwinden.“

Gespräche mit weiteren Vertretern

Auch für Donnerstag sind mehrere Treffen im Reiseprogramm des Papstes eingeplant. Ein Treffen mit Vertretern der griechisch-orthodoxen Kirche und mit Mitgliedern der armenischen Kirche ist vorgesehen. Auch mit der jüdischen Gemeinde in Istanbul soll in den kommenden Tagen ein Gespräch stattfinden. Unklar ist, ob der Papst Gespräche mit wichtigen islamischen Geistlichen unternehmen wird.

Cemil Sahinöz | KISMET 30.11.2006

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(29.11.2006) Benedikt XVI. im türkischen Stress

Benedikt XVI. im türkischen Stress

Der Papst hat seine Reise begonnen

Das Oberhaupt der Katholiken Papst Benedict der XVI. ist am Dienstag in der Türkei angekommen. Eine anstrengende Reise und einige Gespräche in Ankara waren bereits an der Tagesordnung. Für den Papst wurde in der Türkei der „Bush-Plan“ angewandt. Dieses Projekt der türkischen Polizei wurde speziell für den letzten Besuch des amerikanischen Präsidenten George W. Bush entworfen.

Türkischer Ausnahmezustand

Nun wurde es auch beim Papst eingesetzt. Dies bedeutet im Konkreten: 3000 speziell ausgewählte Polizisten sind für den Papstbesuch im Einsatz. Die Straßen, die der Papst durchfährt, werden rigide abgesperrt. Als Landungsort des „Papst-Fliegers“ wurden drei verschiedene Flughäfen angegeben. Es herrscht also Ausnahmezustand in der Türkei.

Der Ministerpräsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, konnte der Kritik nicht mehr standhalten und gab einen Tag vor der Ankunft des Papstes bekannt, dass er sich doch 20 Minuten mit dem Papst treffen wird.

Harter Tagesplan

Dieses Treffen fand direkt nach dem Eintreffen des Papstes im Flughafen statt. Exakt 20 Minuten sprachen Erdogan und der Papst über den EU-Beitritt der Türkei und die Friedensbotschaft des Islam.

Für den Papst ging es weiter nach Ankara, zur Grabstätte von Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der laizistischen Republik Türkei. Danach kam es zu einem Treffen mit Ahmet Necdet Sezer, dem Staatspräsidenten der Türkei. Ein kurzes Gespräch gab es danach mit Mehmet Ali Sahin, einem Staatsminister.

Gleich nach den Politikern traf sich der Papst mit Ali Bardakoglu, dem Präsidenten von Diyanet, der türkischen Religionsbehörde. Dies war die mit Spannung erwartete Begegnung. Bardakoglu sagte im anschließenden gemeinsamen Pressegespräch, dass der Islam „keine Religion des Schwertes ist. Der Islam bedeutet Frieden. Muhammed hat Frieden gebracht.“

In den kommenden Tagen wird der Papst in Istanbul einige wichtige Besuche abhalten. Kritik im Vorfeld gab es im Bezug auf eine Ankündigung von Benedikt XVI., er wolle in der Hagia Sofia beten und die „alte Kirche“ heilige sprechen. Demonstrationen gibt es bereit seit Tagen im Umfeld der einstigen Kirche, Moschee und heute Museum.

Cemil Sahinöz | KISMET 29.11.2006

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(25.11.2006) Der Papst kommt

Der Papst kommt

Papst Benediktus XVI. besucht die Türkei

In der Türkei wird zurzeit nur ein Thema diskutiert. Alle Zeitungen, Nachrichtensender, Diskussionsrunden und Politiker fragen sich: Was passiert, wenn der Papst kommt?

Am kommenden Dienstag besucht das Oberhaupt der Katholiken Papst Benedikt der XVI. die Türkei. Die Menschen in der Türkei sind allerdings wegen der islamfeindlichen Kommentare des Papstes angespannt.

Sie wissen nicht, wie sie mit dem Papst umgehen sollen. Die einen fordern weiterhin eine Entschuldigung für die Papstrede, die anderen wollen „ihn nicht beachten.“

Politiker oder Geistlicher?

Dabei ist unklar, in welcher Position der Papst die Türkei besucht. Er wird als Staatsmann und als Geistlicher in Empfang genommen. Papst Benedikt wird die Groß-Orthodoxe-Kirche im Istanbuler-Stadtteil Fener besuchen.

Dieser Besuch ist im Grunde eine Revolution für die katholische Welt. Der Papst wird versuchen, eine Brücke zwischen den orthodoxen Kirchen in Asien und der katholischen Kirche in Europa herzustellen.

Gleichzeitig wird der Papst einige Gespräche mit Politikern über die EU-Aufnahme der Türkei sprechen. Wie schon aus früheren Stellungnahmen bekannt, ist der Papst strikt gegen eine Aufnahme der Türkei in die EU.

Muslime fordern Entschuldigung

Die Muslime in der Türkei gehen bei diesem Besuch leer aus. Ein Gespräch zwischen dem Papst und muslimischen Gelehrten ist nicht geplant. Auch hat der Vatikan geäußert, dass der Papst zwar traurig ist, dass seine Worte die muslimische Welt verletzten, er sich aber in der Türkei nicht entschuldigen wird.

96,5 Stunden über den Propheten

In einem Gespräch mit KISMET, berichtete ein Moderator einer Radiostation in Adana, dass sie 96,5 Stunden lang eine Sendung über den Propheten Muhammed (Friede sei mit ihm) machen werden.

„Sobald der Flieger des Papstes landet, beginnt unsere Sendung und endet, wenn der Papst wieder abreist.“ Der Titel der Sendung lautet „Was brachte der Prophet Muhammed Neues?“ Also genau die Frage, die in der Papst-Rede im September fiel.

Cemil Sahinöz | KISMET 25.11.2006

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