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(01.02.2010) Die spirituelle Anatomie des Menschen

Die spirituelle Anatomie des Menschen

Die moderne Medizin beschäftigt sich mit der “sichtbaren“ Anatomie des Menschen. Kopf, Füße, Nieren, Adern, Knochen sind die Grundsteine unserer medizinischen Arbeit. Jedoch besteht der Mensch nicht nur aus Fleisch und Blut, also dem Sichtbaren. Der Mensch trägt auch “Teile“ in sich, die nicht erfassbar sind, wie z.B. Gewissen, Gedanken, Seele, Verstand. Es gibt sogar einen Körperteil, der sowohl zum Sichtbaren als auch zum Unsichtbaren zugeordnet wird: das Herz. Wir kennen einmal den Herzen, der links in unserem Körper sitzt und Blut pumpt und den Herzen, der liebt uns hasst, Freude und Schmerzen empfindet.

Die Psychologie arbeitet desweilen mit dieser spirituellen Anatomie des Menschen. Sie versucht dem auf die Spur zu gehen und sie – bei Krankheiten – zu behandeln. Denn genauso, wie die “normalen“ Körperteile des Menschen behandelt werden müssen, müssen auch die Unsichtbaren Teile im Menschen, die es gibt, erforscht, analysiert und gegebenenfalls behandelt werden.

Wenn der Mensch hungrig wird, stillt er seinen Hunger, in dem er eine Nahrung zu sich nimmt. Der Mensch muss also essen, damit er fortbestehen kann. Der biologische Körper des Menschen braucht die Nahrung. Die Seele des Menschen braucht ebenfalls seine Nahrung. Die Nahrung der Seele sind Zufriedenheit, Liebe, Geborgenheit, Verständnis, Freude, Glück etc. Der Mensch kann noch so viel Materielles um sich haben, er kann sich auch für den reichsten Menschen der Welt halten; er wird nicht glücklich, solange er seine Seele nicht “füttert“. Aber andersherum sehen wir, dass der Mensch auch glücklich und zufrieden sein kann, wenn er “wenig“ Materie hat. Es sind also nicht die Materie und das Reichtum, die zum inneren Frieden führen. Daher muss die Priorität in diesen unsichtbaren, unfassbaren “Nahrungen“ liegen. Denn dieser erfüllen den Menschen, egal in welcher misslichen Lage er sich auch befindet.

Der Mensch hat also Bedürfnisse der Seele, die gestillt werden müssen. Die spirituelle Anatomie des Menschen muss auch seine Nahrung erhalten. Leider wird diese zu oft vernachlässigt und zu oft überhaupt nicht wahrgenommen. Hierdurch entsteht eine Leere im Menschen, die anderweitig versucht wird zu füllen. Beispielsweise sehnt sich das Herz nach Liebe und Geborgenheit von den Allernächsten. Bekommt es diese nicht, wird diese Nahrung woanders gesucht. Meistens wird sie gestillt durch Cyberfreunde im Internet. Dass daraus keine gesunde und stabile Identität entstehen kann, liegt auf der Hand.

Genauso, wie es zwischen den Nahrungen Unterschiede gibt, gibt es auch zwischen den spirituellen und seelischen Nahrungen Unterschiede. Der Hauptgang, das Brot für die Seele ist ganz gewiss die Verbindung zu seinem Schöpfer selbst. Diese Nahrung ist es, die der Seele in allen Notlagen Halt und Sicherheit bietet. Sie ist es, die den Menschen Kraft und Geduld, Energie und Ausdauer gibt. Zu wissen, „Ja, es gibt Jemanden, der mich sieht und hört, und der in der Lage ist, mir zu helfen“ gibt dem Individuum, egal welcher Religion er auch angehören mag, einen inneren Frieden.

Der Mensch muss also wieder auf seine Basics zurück. In seine innersten “Organe“, in seine Gefühle.

Die Gesellschaft muss noch einmal genauer hinschauen…

Ist es möglich, dass wir uns mit Geld, Reichtum, schönen Autos und großen Häusern zufrieden stellen?

Wir haben die beste Technik, die am weitesten entwickelten Wissenschaften….

Wir sind in der Lage, jeden Punkt der Welt in jeder Sekunde zu beobachten….

Doch wir sind nicht in der Lage, einen inneren Frieden, einen Segen, eine Ruhe und Gelassenheit den Menschen in unserer Gesellschaft zu geben.

Wir sind nicht in der Lage, trotzt all dieser Erkenntnisse und Berechnungen, Frieden in uns und mit uns zuschließen.

Wir kennen jeden Winkel des Universums, wir können die Sterne berechnen, doch wir sind nicht in der Lage zu berechnen, wie viel das “unsichtbare“ Herz eines Menschen wert ist und was es kostet, ein gebrochenes Herz wieder zu heilen?

Durch Vernachlässigung dieser Tatsache, also dass der Mensch eine spirituelle Anatomie hat und dass diese gefüllt und erfüllt werden muss, wird der Mensch nur auf seine Sichtbarkeit reduziert. So wird der Mensch, der vom Qualität her eine äußert komplexe Frucht des gesamten Universums ist, reduziert auf einen Roboter ohne Gefühle. Gerade in der Moderne wird zu sehr auf das Materielle im Menschen wertgelegt. Das spirituelle oder seine Seele kommen da zu kurz. Steigende Selbstmordzahlen und Depressionen sind klare Anzeichen hierfür.

Die spirituelle Anatomie des Menschen ist wichtiger als je zuvor…

Cemil Sahinöz
Publiziert in: Ayasofya Nr. 30, 2010, S.42-43

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(03.09.2009) Hunger und Essen verbinden die Menschen

Hunger und Essen verbinden die Menschen


Hundertvierzig Gäste folgten der Einladung der Lindner Moscheegemeinden, der Islamischen Gemeinschaft der Jama’at un Nur, dem Türkischen Kulturzentrum und Durak e.V. zu einer Iftarveranstaltung im Freizeitheim Linden, darunter verschiedene Persönlichkeiten aus Politik, christlichen und muslimischen Gemeinden. Von der Verbundenheit der Menschen beim Essen und im Hunger, über die moralische Verantwortung der religiösen Gemeinden bis zum guten Miteinander reichten die Themen der Redner.

Das Hungern und Fasten im Ramadan erinnert uns an die Situation der Armen, führte Avni Altiner von der SCHURA Niedersachsen die Ansprachen an, auch wenn wir nicht um unser Essen kämpfen müssten. Cemil Sahinöz, Integrationsbeauftragter des DRK in Gütersloh, bedachte auf dynamische und jugendliche Art den Verzicht auf Essen als Möglichkeit zur Selbstentdeckung und zum Wecken des Mitgefühls und des Miteinanders. Der 28-jährige ehemalige Pädagoge erinnerte sich, dass die Lehrer das Ende des Ramadan, das Zuckerfest, gerne mit dem Laternenumzug verglichen. Muslimische Kinder gehen zu Nachbarn und sammeln Süßigkeiten. Ramadan ist aber nicht nur für die Kinder sozialer Höhepunkt. Die menschliche Schwäche Hunger verbindet über alle Nationen und Unterschiede hinweg und kann gar als „Ölwechsel“, der die Gesundheit fördert, oder als Prüfung Gottes verstanden werden. Mit der Volksweisheit „Liebe geht durch den Magen“ assoziierte er zum Schluss seiner Rede, dass dies wohl auch mit Integration und Verständnis klappen könnte und reichte damit verbal den Löffel an Edelgard Bulmahn, SPD-Bundestagskandidatin, weiter. Verspätet, aber noch rechtzeitig eingetroffen, freute sie sich auf das Fastenbrechen. Gemeinsam zu essen ist für sie ein deutliches Zeichen der Freundschaft und hoffte, dass dieses Miteinander in Linden nicht nur an diesem Abend, sondern auch an anderen Tagen gelingt.

Ein gemeinschaftliches Leben erkannte auch der Vertreter der christlichen Gemeinden in Hannover. Es kristallisiert sich ein Gemeindeleben heraus, wie die Anwesenheit vieler christlicher Vertreter deutlich macht. Verschiedene Kooperationen, z.B. die Demonstration gegen Rechtsextremismus am 1. Mai, zeigen eine gemeinsame Linie. Auch die Kritik an einem geistlosen Materialismus gehört für ihn dazu. Religiöse Menschen sollen sich dem entgegenstellen, unabhängig von eigenen religiösen Inhalten, vereint im Glauben an Gott. Die mahnenden Worte griff Rolf Wernstedt, ehemaliger Präsident des Niedersächsischen Landtages, auf und bedauerte ein fehlendes Wissen, welches für ein Zusammenleben dringend nötig sei. Provokationen von allen Seiten führen zu keiner Annäherung. Dagegen sei die Initiative von Religionsgemeinschaften gefordert, für Werte und Moral einzustehen. Die Rücksichtslosigkeit einer Wirtschaft und ihrer Verantwortlichen, die jeglichen Respekt vor der Gesellschaft verloren hat und hohe Provisionen einstreicht und gleichzeitig unzählige Arbeitsplätze abbaut, darf nicht hingenommen werden. Das Ziel ist ein Zusammenleben und das fordere die Religionsgemeinschaften, die in Deutschland lebten. Die Religionsfreiheit, die hierzulande täglich von Gemeinden gelebt wird, so die nicht anwesende Staatsministerin in einem Brief, in einem Brief stehe nicht nur auf dem Papier, sondern sei Realität. Das Verstehen, die Gegenseitigkeit und der Respekt unter den Bürgern erhalte sie am Leben, was in anderen Ländern nicht unbedingt selbstverständlich sei.

Die gelungenen, teils ernsten, teils humorvollen Ansprachen sorgten im Anschluss nach einem gut organisierten Essen und Verteilen für eine angeregte Diskussionsatmosphäre. Mit zahlreichen Themen versorgt, wurde an den Tischen munter bis zum allmählichen Auflösen der Veranstaltung debattiert.

Khalil Klein, Muslime in Hannover, 02.09.2009

http://www.ardun.de/index.php?nid=wdp6erduue&region=h

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