Archiv der Kategorie: Rezensionen

Rezensionen, Buch- und Filmbesprechungen und Tipps

(29.03.2017) Buchrezension: Moscheereport. Inside Islam: Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird

Titel: Inside Islam: Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird

Autor: Constantin Schreiber

Verlag: Econ

Heute habe ich den „Moscheereport“ von Constantin Schreiber erhalten. Eigentlich hatte ich vor, eine ausführliche Analyse des Reports zu machen, doch nach den ersten 70-80 Seiten des Buches erübrigte sich dies.

Warum?

Der Moscheereport geht nach folgendem Muster vor. Erst wird kurz berichtet, was weltweit in der Woche der Freitagspredigten passierte. Dann wird die jeweilige Moschee vorgestellt, es folgt eine Transkription der Freitagspredigt und danach eine Diskussion/Interview über diese Predigt.

Wo liegt das Problem?

Die Predigten behandeln theologische Phänomene. Sie sind in einem theologischen Kontext zu verstehen. Sie widerspiegeln keine aktuellen politischen Debatten wieder. Doch genau dies wird in den Interpretation der Predigten gemacht. Wenn z.B. der Imam von unmoralischen Verhaltensformen spricht (so wie in der Kirche, Synagoge oder jeder Ethik-Konferenz auch), wird dies so interpretiert, als sei hier die deutsche Gesellschaft gemeint. Dies sei dann ein Zeichen für Desintegration.

Leider hält das Buch bis zum Ende dieses Format bei. Dementsprechend sind die Ergebnisse. Theologische Aussagen werden vom Kontext gerissen und in aktuell politische Statements umgewandelt. Ein fataler Fehler. Von Wissenschaftlichkeit und Neutralität zeugt das nicht gerade.

Hier ein Beispiel: An einer Stelle spricht ein Imam von der „Verwerflichkeit von allem Neuen“. In der islamischen Theologie nennt man dies Bid´a. Gemeint ist damit, dass es theologisch nicht erlaubt ist, neue islamische Rituale in den Islam einzuführen. Dieses „Neue“ gilt als „verwerflich“. Es geht hier also nur um neue Rituale, Aberglauben usw.
Der Autor jedoch interpretiert diesen theologischen Begriff als einen gesellschaftlichen Begriff und glaubt, dass damit alles Neue aus der Gesellschaft verwerflich sei. Das führt dann zu dem Ergebnis der Integrationsverweigerung.

Anderes Beispiel: Ein Imam spricht von Yazid. Einem Tyrannen aus der Geschichte. Der Autor versteht hier aber Jesiden und interpretiert, dass der Imam gegen Jesiden hetzt. Ein schwerwiegender Fehler.

Leider gibt es mehr als eine Handvoll solcher erheblichen Fehler.

Umso erstaunlicher ist es, dass Constantin Schreiber an mehreren Stellen den Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung, welches wissenschaftlich methodisch sauber vorangegangen ist und vor allem repräsentativ ist, kritisiert und seine eigenen wenigen Moscheebesuche als repräsentativ darstellt.

Selbstverständlich hat das Buch keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Dem „Durchschnittsleser“ wird dies aber nicht viel interessieren. Die Wirkung des Buches ist daher nicht gut. Immerhin geht es hier um eine Community, der mehr als 5 Millionen Menschen in Deutschland angehören. Da hätte man viel genauer hingucken und theologische Texte in ihrem Kontext sehen müssen.

 

Cemil Şahinöz

IslamIQ, 20.04.2017

http://www.islamiq.de/2017/04/20/outside-islam/

 

Islamische Zeitung, 20.04.2017

https://www.islamische-zeitung.de/der-autor-haette-genauer-hinschauen-sollen/

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(05.01.2017) Buchrezension: Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte

Titel: Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte

Autor: Leah Remini

Verlag: mvg Verlag

 

Leah Remini wurde bekannt in der amerikanischen Top-Serie King of Queens. Hier spielte sie die Carrie Heffernan, die Ehefrau von Doug Heffernan (Kevin James). Nach Ende der Serie hörte man nichts mehr von Remini. Während Kevin James seine steile Karriere in Hollywood fortführte, wurde es still um Leah Remini. Mit ihrem Buch „Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte“ wird auch klar, warum es so still um ihr war. Hier beschreibt Remini ihr Leben bei der Scientiology. Ihre Eltern gehörten schon zu dieser Sekte, so dass Remini seit ihrer Kindheit in der Sekte war. Sie ist also eine echte Insiderin, von Geburt an, wenn man so viel. Um so interessanter und authentischer sind die Informationen und Erlebnisse, die sie von der Sekte wiedergibt. Die Sekte lies sie eigentlich nie los. In Hollywood war Scientology immer aktiv. Doch Remini distanzierte sich immer mehr von der Sekte. Sie hinterfragte alles und wurde so zum Feindbild innerhalb der Sekte, eben ein Troublemaker. 2013 verließ sie endgültig die gefährliche Sekte. Doch das war nicht einfach. All diese Erlebnisse und Schwierigkeiten werden im Buch spannend und packend geschildert.

 

 

 

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(05.01.2017) Buchrezension: Bud Spencer – In achtzig Jahren um die Welt: Der zweite Teil meiner Autobiografie

Titel: Bud Spencer – In achtzig Jahren um die Welt: Der zweite Teil meiner Autobiografie

Autor: Bud Spencer

Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf

 

Man könnte jetzt natürlich sagen, „Wie noch eine Autobiographie? Hat der nicht schon alles beim ersten Mal erzählt?“ Auf viele Autobiograhien wird das wohl auch zustimmen, aber nicht bei Bud Spencer. Auch in dieser zweiten Autobiographie gibt es wieder reichlich neue Informationen aus dem Leben des Kultstars. Keine Geschichte wird doppelt erzählt. Am Ende des Buches gibt es diesmal auch einige außerbiographischen Kapitel. So gibt es Zitate aus den Filmen von Bud Spencer, Bud Spencers „mögliche Kämpfe“ gegen Superhelden wie Superman, ein Bud-Spencer Wörterbuch und Fragen von Fans, die Bud Spencer beantwortet. Daher ist das Buch nicht nur für Bud Spencer Fans eine Muss-Lektüre.

 

 

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(13.12.2016) Buchrezension: Neo Moslems – Porträt einer deutschen Generation

Titel: Neo Moslems – Porträt einer deutschen Generation

Autor: Eren Güvercin

Verlag: Herder

 

Eren Güvercin ist jung, muslimisch und intellektuell. Er weiß also, wovon er schreibt. Denn damit ist er selbst ein Teil der „Neo-Muslimischen“ Community. So erfährt man in dem Buch, wie diese neue junge muslimische Community sich selbst definiert und welche Themen im Alltag eine Rolle spielen. Ein wichtiger Punkt ist: diese Community fühlt sich als deutsche Muslime und als Teil dieser Gesellschaft. Dies wird in Güvercins Buch ganz deutlich. Er zeigt nicht die „Verlierer“ der Gesellschaft, die häufig dafür genutzt werden um ein Desinteresse an einer Integration darzustellen, sondern die überwältigende Mehrheit der Muslime, die sich in Deutschland beheimatet fühlen.

 

 

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(13.12.2016) Buchrezension: Die Kunst des Kampfes: 300 Kampfsportarten – Tradition, Entwicklung, Techniken

Titel:  Die Kunst des Kampfes: 300 Kampfsportarten – Tradition, Entwicklung, Techniken

Autor: Chris Crudelli

Verlag: Dorling Kindersley

 

Auf fast 400 farbigen Seiten werden eindrucksvoll verschiedene Kampfkünste und Kampfsportarten präsentiert. Chris Crudelli, selbst ein Kampfsportler, zeigt mit beeindruckenden Bildern und Fotos (mehr als 1100 Fotos) Kampfsportarten aus aller Welt und bringt dem Leser Tradition und Geschichte der Künste näher. Dabei werden 300 Kampfstile weltweit vorgestellt. Ein echtes Lexikon und Nachschlagewerk für Jedermann.

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(20.11.2014) Buchrezension: Gekaufte Journalisten

Titel: Gekaufte Journalisten

Autor: Udo Ulfkotte

Verlag: Kopp Verlag

 

„Journalisten erklären uns die Welt, beeinflussen unsere Meinung, machen Politik. Wer aber erklärt den Journalisten
die Welt, beeinflusst ihre Meinung und macht somit Politik?“ Diese wichtige Frage stellt Ulfkotte in seinem Buch auf Seite 153. Die Beantwortung dieser Frage ist auch der Kern des Buches. Ulfkotte zeigt mit Beispielen die Arbeitsweise von Medien wie Bild, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Zeit, ZDF und ARD. Dabei wird ersichtlich, welchen großen Einfluss Politik, Wirtschaft, Lobbyisten und vor allem Geheimdienste wie die CIA auf Journalisten und Medien haben. Laut Ulfkotte sei es üblich, dass viel Geld von diesen Akteuren an Journalisten fließt, damit sie genau das „richtige“ schreiben. Wenn das gleiche von mehreren großen Medien publiziert wird, erscheint am Ende dann beim Leser der Eindruck, als sei dies die Wirklichkeit. Gesteuert wird dies durch Vereinigungen wie die Atlantik-Brücke, wo sich die Schnittstelle der Akteure befindet. In Zeiten der Social Medias, wo sowieso ein Informationsüberfluss und Falschmeldungen gang und gäbe sind, sind diese Mechanismen weit verbreitet. Trotz dessen darf nicht vergessen werden, dass Ulfkotte selbst eine fragwürdige Person ist. Daher sollte man das Buch immer mit etwas vorsichtig betrachten.

 

Cemil Sahinöz

 

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(23.09.2014) Buchrezension: „Affäre Wulff“ und „Ganz oben, Ganz unten“

Titel: Affäre Wulff – Bundespräsident für 598 Tage – Die Geschichte eines Scheiterns

Autoren: Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch

Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf

 

Titel: Ganz oben Ganz unten

Autor: Christian Wulff

Verlag: C.H.Beck

 

Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch sind die beiden Journalisten, die die „Affäre“ Wulff aufdeckten und öffentlich machten. 2 Jahre lang recherchierten sie den ehemaligen Bundespräsidenten und deckten am 13.12.2011 eine Kreditaffäre auf. Dies war der Beginn des Abstiegs vom Bundespräsidentenamt. Weitere Anschuldigungen folgten, die Wullf zu einem Rücktritt zwangen. Der Druck der Medien war so hoch, dass Wulff im Februar 2012 nach 598 Tagen zurücktratt. In diesem Buch wird die Recherche von Heidemanns und Harbusch detailliert aufgezeichnet und protokolliert.

 

Man muss aber auch die andere Seite betrachten. Denn Wulff wurde von allen Vorwürfen frei gesprochen. Die Autobiographie von Wulff „Ganz Oben – Ganz unten“ zeigt daher die perfekte Inszenierung eines vermeintlichen Skandals. Dabei wird ersichtlich, welche Rolle die Medien spielen und wie sie als Manipulationsfaktor bestimmend sind. Deutlich wird auch, dass Wulff davon ausgeht, dass es sein positives Verhältnis zum Islam war, warum die Medien gnadenlos auf ihn einschlugen.

Cemil Sahinöz

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