(19.03.2021) Tierschutz und Tierliebe bei Said Nursi

Tierverständnis von Said Nursi

Der Islamgelehrte Said Nursi betrachtete Tiere als Kunstwerke des Schöpfers. In diesem Sinne gab er ihnen eine große Wertschätzung. Er sah kein Recht des Menschen darin, Tiere zu stören oder gar ihnen das Leben zu nehmen.

Ameisen

Wenn Said Nursi Ameisen sah, gab er ihnen immer Brot, Weizen und Zucker. Wenn er gefragt wurde, warum er ihnen Zucker gab, antwortete er lächelnd: „Das soll ihr Tee werden.“

Während der Zeit, die er im Mausoleum verweilte, brachte Said Nursis kleiner Bruder Mehmed ihm das Essen. Nursi gab die Körner im Essen den Ameisen, die sich rund um die Kuppel einfanden, und begnügte sich selbst damit, das Brot in die Soße des Essens einzutauchen. Gefragt, warum er die Körner den Ameisen gäbe, gab er zur Antwort: „Ich habe sie bei ihrer Arbeit beobachten können und herausgefunden, dass sie ein Gemeinschaftsleben besitzen und außerordentliche Treue zur Pflichterfüllung und möchte sie zur Belohnung für ihre Liebe zur Republik.“ (Said Nursi, Sein Leben und Werk, S. 60)

Said Nursis Schüler Molla Hamid Ekinci berichtet von einer weiteren Begebenheit mit Ameisen. Als sie auf dem Berg Erek waren und es langsam kalt und regnerisch wurde, suchen sie sich einen Platz zum “Zeltaufschlagen“. Dabei entdecken sie einen Ameisenhaufen. Nursi möchte daraufhin das Zelt nicht auf diesem Platz aufschlagen. Als Begründung sagte er: „Man kann nicht ein Haus errichten, in dem man ein Haus zerstört. Zerstört das Haus der Ameisen nicht.“

Daraufhin suchen sie sich einen anderen Platz. Doch auch da ist ein Ameisenhaufen zu sehen. Noch einmal wechselt sie den Platz und auch hier sind wieder Ameisen zu finden. Sie finden kein Platz ohne Ameisen auf dem Berg, so sagte einer der Begleiter: „Wenn das so weiter geht, werden wir den ganzen Tag suchen müssen.“ Also schlagen sie an einem Ort ihr Zelt auf, ohne Nursi etwas zu sagen.

Fliegen

Als Said Nursi zu Unrecht im Gefängnis saß, gab es kleinere solcher Erlebnisse bezüglich Fliegen. Als im Gefängnis Fliegengift versprüht wurde, um sich vor der Fliegenplage zu retten, hatte Nursi Mitleid mit den Fliegen. Er bedauerte ihre Situation.

Zudem gab es in seiner Zelle es eine Wäscheleine, worauf sich die Fliegen setzten. Immer, wenn jemand Wäsche aufhängen wollte, sagte Nursi, dass man die Fliegen nicht stören soll und daher eine andere Wäscheleine nutzen solle.

Hunde

Eines Tages, als einige Personen über ein Hund redeten, riet ihnen Said Nursi: „Lästert nicht über den Hund.“ Mit seinem Fehlgefühl setzte er sich so für die Rechte der Tiere ein.

Katzen

In seinem Werk „Die Briefe“ berichtet Said Nursi davon, dass die Katzen für ihn ein Segen Gottes waren: „Nicht nur die Nahrung der alten Verwandten, sogar auch die mancher Tiere wie Katzen, die dem Menschen als Freund gegeben wurden und deren Nahrung innerhalb der Versorgung der Menschen gesandt wird, kommt in Fülle. Ein Beispiel, das dieses bestätigt und welches ich erlebt habe: Meine nächsten Freunde wissen auch: Vor zwei, drei Jahren hatte ich jeden Tag ein halbes Brot – das Brot in diesem Dorf war damals klein – als Ration, die mir meistens nicht ausreichte. Dann kamen zu mir vier Katzen als Gäste. Dieselbe Ration reichte sowohl für mich als auch für sie. Meistens blieb noch etwas übrig. Es wiederholte sich dieser Umstand dermaßen oft, dass ich zu der Überzeugung gelangte, ich hätte einen Nutzen aus der Segensfülle der Katzen. Mit fester Überzeugung gebe ich bekannt: Sie waren mir keine Last und mir gegenüber keinen Dank schuldig, sondern ich war ihnen zu Dank verpflichtet.“ Im 24. Wort erwähnt Said Nursi zudem, dass Katzen nicht undankbar sind, wie vielerorts angenommen, sondern, ganz im Gegenteil, den wahren Spender der Gaben erkennen und nur ihm danken, als dem Schöpfer: „Ich betrachtete sogar einmal die Katzen. Sie aßen ihre Speisen, spielten und schliefen. Ich dachte: »Wie kann man diese kleinen Raubtiere, die keine Pflichten haben, für gesegnet halten?« Später, in der Nacht legte ich mich hin, um zu schlafen. Ich merkte, eine von diesen Katzen kam und schmiegte sich an mein Kissen an. Sie legte ihren Kopf nahe an mein Ohr. Eindeutig rief sie »oh Barmherziger, oh Barmherziger, oh Barmherziger, oh Barmherziger«, als wiese sie den Einspruch und die Herabschätzung in meinen Gedanken im Namen ihrer Gattung zurück und hielte sie mir vor. Ich fragte mich, ob dieser Ausruf nur dieser einen Katze zu Eigen war oder ihrer ganzen Gattung im Allgemeinen, und ob ihn zu hören, nur mir, der ich ungerecht urteilte, möglich war, oder ob jeder andere, der ein wenig darauf achtete, gewissermaßen dasselbe hören könne? Später, am Morgen hörte ich die anderen Katzen. Nicht so klar wie diese eine in der Nacht, doch auch sie wiederholten denselben Ausruf mit unterschiedlicher Deutlichkeit. Anfänglich hörte man ihr Schnurren, erst dann bemerkte man den Ausruf »oh Barmherziger (ya Rahim)«. Allmählich wurde ihr Murren und Schnurren ein »ya Rahim«. Es wurde eine melancholische Rezitation, leise, gleichsam flüsternd, aber dennoch verständlich. Sie schlossen ihr Maul und rezitierten auf Schönste »ya Rahim«. Ich erzählte das den Mitbrüdern, die mich besuchten. Auch sie achteten darauf und sagten: »In gewissem Grade hören wir es.« Dann kam es mir in das Herz: »Woran liegt es, dass sie nur diesen Namen ausrufen? Warum rezitieren sie mit menschlicher Zunge und nicht in der Sprache der Tiere?« Mir kam ins Herz: Diese Tiere sind wie Kinder verpäppelt und verwöhnt und ein Freund des Menschen, der mit ihm zusammen lebt. Deswegen bedürfen sie besonders der Liebe und Barmherzigkeit. Sie freuen sich, wenn sie gestreichelt werden. Als Dank für diese Zuwendung lassen sie, anders als die Hunde, die Ursachen außer Acht und machen die Barmherzigkeit ihres barmherzigen Schöpfers in ihrer Welt bekannt. Dadurch ermahnen sie die Menschen, die im Schlaf der Gottvergessenheit sind, und sie erinnern die Ursachenanbeter mit dem Ausruf »oh Barmherziger«, von wem die Hilfe kommt und von wem man Barmherzigkeit erwarten soll.“

Für Said Nursi waren also Tiere Lebewesen und Schöpfungen des Einen Künstlers. Daher gab er ihnen große Beachtung und schütze sich in enormer weise.

Cemil Şahinöz, Ayasofya Nr. 64

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