(07.06.2017) Muslime verweigern London-Attentätern Totengebet

Muslime verweigern London-Attentätern Totengebet

Imame sind nicht bereit, für die London-Attentäter um Eintritt ins Paradies zu bitten

London/Bielefeld. Mehr als 130 Imame und muslimische Religionsführer verweigern den Attentätern von London das Totengebet. Das unterstützen auch Muslimverbände in OWL. „Von der Verweigerung geht ein sehr starkes und richtiges Signal aus. Mehr geht nicht“, sagt Cemil Sahinöz. Der Vorsitzende des Bündnisses Islamischer Gemeinden in Bielefeld spricht von einem wichtigen Schritt, um sich von Terroristen abzugrenzen, die im Namen des Islams weltweit Anschläge verüben.

Das traditionelle Totengebet findet im Islam unmittelbar vor der Beerdigung statt, dauert meist wenige Minuten und wird von der gesamten Gemeinde abgehalten, unmittelbar nach der Waschung des Toten. Die Gemeinde bittet um die Vergebung für die Taten des Verstorbenen und seinen Eintritt in das Paradies. „Für Familien, deren Angehörigen dieses Gebet verweigert wird, ist das ein sehr harter Schlag“, sagt Sahinöz. Schließlich sei es eines der wichtigsten Gebete in der Gemeinschaft.

Gebetsverweigerung gilt als starkes Zeichen

Britische Imame verweigern den Attentätern von London nun diesen traditionellen Bestattungsakt – man sei nach dem Anschlag mit sieben Toten geschockt und abgestoßen, heißt es vom britischen Muslimrat. Die Imame fordern weitere Muslime auf, ihrem Beispiel zu folgen. Die Terroristen seien „fehlgeleitet und weit entfernt von den Werten des muslimischen Glaubens“.

„Das ist eine sehr harte aber gerechtfertigte Maßnahme“, sagt Emin Özel. Der Sprecher der Muslime in Paderborn würde Attentätern grundsätzlich das Totengebet verweigern. „Das sind glaubenslose Monster, von denen wir uns klar abgrenzen. Die gehören nicht zum Islam.“ Keiner der Attentäter sei religiös gebildet und wirklich gläubig. Özel: „Wer die islamische Religion lebt, ist zu solchen Taten gar nicht in der Lage.“ Erst recht nicht während des aktuellen Fastenmonats Ramadan, der die Muslime besonders zu Liebe, Zurückhaltung und Frieden aufrufe. „Wir dürfen uns nicht spalten lassen“, fordert Özel.

Der Protest der britischen Imame habe Nurcan Kayiplar in seiner Intensität ein wenig überrascht. Die 2. Vorsitzende der Türkisch Islamischen Gemeinde Vatan Moschee in Bielefeld betrachtet den Aufruf mit gemischten Gefühlen. Ob sie ihn nachvollziehen könne? „Ja und nein.“ Doch da die Attentäter unschuldige Menschen getötet haben, sei das Verhalten der britischen Imame vertretbar.

 

Täter identifiziert

Nach dem Terroranschlag in London hat die Polizei auch den dritten Täter identifiziert. Der 22-jährige Joussef Zaghba, Italiener marokkanischer Herkunft, habe zuletzt in Ost-London gelebt, teilte Scotland Yard mit. Er sei weder der Polizei noch dem Inlandsgeheimdienst MI5 bekannt gewesen. Die Polizei hatte bereits am Montag die anderen beiden Täter identifiziert: Khuram Shazad Butt (27), ein in Pakistan geborener Brite, und Rachid Redouane (30), ein Marokkaner.

 

Neue Westfälische, 07.06.2017

http://www.nw.de/nachrichten/regionale_politik/21814175_Muslime-verweigern-London-Attentaetern-Totengebet.html

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