(17.09.2015) Gemeinsam Hürden überwinden

Gemeinsam Hürden überwinden

(iz). Laut Statistischem Bundesamt leben 8,2 Millionen Ausländer in Deutschland. Dies ist der höchste Stand, der seit Beginn der Erfassung erreicht wurde.

Im Jahre 2014 wurden laut Flüchtlings-Hilfswerk UNHCR ca. 866.000 Asylanträge weltweit in den sogenannten reichen Staaten gestellt. Dies ist die höchste Zahl seit 22 Jahren. 2013 zählten die Behörden noch 597.000 Gesuche. Die Liste der „reichen Länder“ mit den meisten Anträgen führen Deutschland, USA und die Türkei an.   Durch die Zuwanderungen und die Flüchtlinge wird sich auch die Zahl muslimischer Migranten in Europa in den nächsten Jahren erheblich erhöhen. Derzeit leben in Deutschland ca. fünf Millionen Muslime – mit oder ohne deutschen Pass. Es sind deutsche Muslime, die sich hier beheimatet fühlen. Die hier leben, hier sozialisiert sind, hier ihren Alltag haben, hier bestattet werden und die ein wichtiges Teil dieses Landes sind; wie jeder andere auch, egal welcher Zugehörigkeit. Daher wünschen sich die Muslime, wie andere Religionsgemeinschaften auch, als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden und dass die juristischen Hürden überwunden werden.

Durch die Globalisierung gibt es vergleichbare Entwicklungen in vielen anderen Ländern der Welt. Wir leben alle unter dem gleichen Dach, miteinander, füreinander und dies führt nicht zu einem „Clash der Kulturen“. Ein solcher ist keine Option für uns. Es gibt keinen Grund nicht zusammenleben zu können.

Dieses Miteinander bringt viele Chancen, Möglichkeiten und Ressourcen mit sich. Sie ist aber auch an Herausforderungen geknüpft, die wir nur gemeinsam meistern können. Die aktuelle Flüchtlingsdebatte ist ein gutes Beispiel hierfür. Religion, Kultur, Sprache, Nation eines Flüchtlings spielen keine Rolle. Es sind Menschen, die geflüchtet sind und unsere Hilfe brauchen.

Jeder, der in der Flüchtlingshilfe tätig ist, wird dies bestätigen können. Da geht es zum Beispiel um einen 5-jährigen Flüchtling, der ihnen sagt „Mama hier, Papa dort“, um eine alleinerziehende Mutter, die flüchten musste, um einen Jugendlichen, der seine gesamte Familie zurücklassen musste oder um traumatisierte Väter.

Was spielt es da für eine Rolle, welche sogenannte Zugehörigkeit diese Menschen haben? Diese Menschen strecken alle ihre Hand aus. Und wir müssen sie an diesen Händen halten und ihnen zeigen, dass wir für sie da sind. Dies erfordert die jüdische Ahawta, die christliche Nächstenliebe, die muslimische Barmherzigkeit, die menschliche Moral und Ethik.

Wir müssen die Sprache der Liebe und die Sprache der Barmherzigkeit leben und wirken lassen, damit diesen Menschen in der Not geholfen werden kann. Hätten wir nicht zwei, sondern 100 Hände, müssten wir jeden einzelnen den Hilfsbedürftigen reichen. Für uns zählt nicht die Theorie „Der Stärkere überlebt“, sondern „die Hilfsbereiten überleben.“

Als die ersten so genannten Gastarbeiter nach Deutschland kamen, sagte Max Frisch einmal „wir riefen Maschinen und es kamen Menschen“. Heute müssten wir sagen: „Flüchtlinge sind Menschen“. Man kann sie nicht einfach nur als Flüchtlinge abstempeln. Es sind Menschen mit Hoffnungen, Ängsten, Wünschen und Träumen.

Cemil Sahinöz, Islamische Zeitung, 17.09.2015
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