(09.01.2015) Entsetzen bei Muslimen in OWL

Entsetzen bei Muslimen in OWL
Einhellige Empörung über Gewalt / Kirchen warnen vor zunehmender Islamfeindlichkeit

VON SIGRUN MÜLLER-GERBES
NW, 09.01.2015

Bielefeld. Wer sich bei Moscheevereinen, muslimischen Verbänden und Gemeinden in der Region umhört, dem schlägt am Tag nach der Tat in Paris überall die gleiche Reaktion entgegen: „Entsetzt“ sei man über den Anschlag, „erschüttert“, „traurig“, „fassungslos“. Und in allen Gesprächen scheint die Sorge durch, dass die Vorbehalte gegen Muslime in Deutschland weiter wachsen werden.

Cemil Sahinöz, Vorsitzender des Bündnisses Islamischer Gemeinden in Bielefeld, meint: „Langsam müsste doch klar sein, dass wir als Muslime mit derartigen Taten nichts zu tun haben wollen.“ Überhaupt seien die Täter „keine richtigen Muslime“, sondern „Spinner, verrückte Terroristen“, die den Glauben skrupellos instrumentalisierten: „Diese Leute haben keine Religion, egal, wie sie sich nennen.“ Er fürchtet allerdings, dass die Tat die Islamfeindlichkeit in Deutschland weiter befeuern wird: „Islamfeinde und Islamisten spielen sich da gegenseitig in die Hände.“

Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, warnt davor, den Anschlag dafür zu instrumentalisieren, „die Stimmungsmache gegen Muslime noch weiter anzuheizen“. Genau das versuchten jetzt die Wortführer der Pegida. Den Hass und das Misstrauen gegen Fremde zu schüren, wie Pegida das tue, sei „Gift für das friedliche Miteinander von Menschen verschiedener Religion und Kultur“.

Auch Paderborns Erzbischof Franz-Josef Becker kritisiert Tendenzen, Islam und islamistischen Terror gleichzusetzen: „Unsere Kultur der Freiheit und Unverletzlichkeit des Menschen darf jetzt nicht Schaden nehmen.“ „Wir dürfen nicht auf den Islam zeigen“, warnt auch Klaus von Stosch, Leiter des Zentrums für Komparative Theologie an der Uni Paderborn und reiht sich damit ein in eine ganze Schar von Organisationen und Politikern, die sich ähnlich äußern, von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) über Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bis zu Cem Özdemir (Grüne).

Selbst Bernd Lucke, Chef der AfD, bemühte sich, Wogen zu glätten: Die Gewalttat dürfe nicht einer ganzen Religionsgemeinschaft angelastet werden, deren „Großteil aus friedliebenden, unbescholtenen Bürgern besteht“. Sein Parteifreund Alexander Gauland hatte zuvor noch behauptet, der Anschlag zeige, wie berechtigt die Furcht vor einer „Islamisierung des Abendlands“ sei.

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