(10.12.2013) Gastarbeiter erzählen ihre Lebensgeschichten

Gastarbeiter erzählen ihre Lebensgeschichten

Steinhagen. Nichts ist spannender als Geschichten, die das Leben schreibt. Besonders interessante haben diejenigen zu erzählen, die als Zuwanderer zwischen den 1950er und 1970er Jahren aus Südeuropa in den Kreis Gütersloh kamen.

Ihnen widmet sich die Ausstellung »Ein Koffer voll Hoffnung«, die von der Arbeitsgemeinschaft der Archive im Kreis Gütersloh mit dem Stadtmuseum Gütersloh erarbeitet wurde und jetzt im Steinhagener Ratshaus zu sehen ist.

Ein alter Holzkoffer, ein Fußball mit Unterschriften von Real Madrid, abgelaufene Reisepässe, alte Familienfotos – an vielen Exponaten entlang wandelten gespannt die ersten Besucher der Ausstellung, die am Sonntag eröffnet worden ist. „Was für eine Geschichte steckt hinter der Person, der dieser Gegenstand gehört?”, fragten sie sich. Der Hintergrund ist auf großen Tafeln, die an den Wänden hängen, nachzulesen.

So erfährt man zum Beispiel von Roman Deblado der ursprünglich aus Spanien kommt, alle Spieler des Fußballvereins Real Madrid persönlich kennt, und bei der Einreise nach Deutschland kein Wort deutsch sprach. Das führte beim Einkaufen von Kartoffeln, die er auf Spanisch »Papas« nennt, zu den merkwürdigsten Missverständnissen.

Oder Carlos Alberto de Andrade: Mit 24 fasste der Portugiese den Entschluss, nach Deutschland zu gehen und arbeitete zuerst in der Borgholzhausener Fleischwarenfabrik Poppenburg, später bei der Firma Bartling, die Lebensmittelverpackungen herstellt. „Der erste Satz, den ich auf Deutsch sprechen konnte war „Die Dose hat ein Loch”, erinnert sich Andrade heute lachend.

Viele der Zeitzeugen waren bei der Ausstellungseröffnung anwesend, was nicht nur die Besucher freute, die sie quasi aus dem Nähkästchen plaudern hörten. „Schön, dass heute so viele der Menschen, die bereit waren ihre Lebensgeschichte zu offenbaren, hier an dieser Veranstaltung teilnehmen”, sagte Bürgermeister Klaus Besser. Er betonte, dass das Thema Arbeitsmigration nicht nur die in der Ausstellung umfasste Zeit von 1955 bis 1973 berühre, sondern nach wie vor im Kreis Gütersloh aktuell sei: „Denken sie an die Menschen aus Süd-Ost-Europa, die hierher kommen, um in der Fleisch- und Wurstwarenproduktion zu arbeiten. Oder an die jungen Leute aus Südeuropa, die aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in ihrem Heimatland bei uns eine Stelle suchen.”

Neben Besser sprach auch Cemil Sahinöz vom Migrationsfachdienst des DRK-Kreisverbandes Gütersloh Grußworte, und Ralf Othengrafen vom Kreisarchiv führte in die Schau ein. Als Wanderausstellung mit insgesamt 40 Informationstafeln konzipiert, können an den verschiedenen Standorten regionale Bezüge gelegt werden. So geht es in Steinhagen um Migranten, deren Geschichten dort oder in den Nachbarorten spielen.

Partnerausstellung ist in Harsewinkel zu sehen

Nachdem WDR-Mitarbeiterin Dorothee Boeken-Brekenkamp mit ihrer Lesung aus Rafik Schamis »Der andere Blick« die Besucher zum schmunzeln gebracht und Juan Carlos Arancibia aus Peru, der an der Musikhochschule Detmold studierte, mit seiner Gitarrenmusik die Ohren der Gäste verwöhnt hatte, gab es entspannte Gespräche rund um die Ausstellung.

Nicht nur der »Koffer voll Hoffnung«, sondern auch die vielen anderen Geschichten erzählenden Exponate der Zeitzeugen sind bis zum 17. Januar im Steinhagener Rathaus zu sehen. Parallel zu dieser historischen Ausstellung gibt es im Rathaus in Harsewinkel eine Ausstellung, die die Arbeitsmigration im Kreis Gütersloh aus dem künstlerischen Blickwinkel betrachtet. (Carolin Hlawatsch)

Haller Kreisblatt, 10.12.2013

http://www.haller-kreisblatt.de/hk-templates/nachrichtendetails/datum/2013/12/10/gastarbeiter-erzaehlen-ihre-lebensgeschichten/

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