(02.10.2012) Demütigung der Muslime

Demütigung der Muslime

„Die Diener des Gnadenreichen sind diejenigen, die in würdiger Weise auf Erden wandeln, und wenn die Unwissenden sie anreden, sprechen sie: «Frieden»“. Koran, 25:63

Daniel ärgert, mobbt, schikaniert und provoziert seinen Klassenkameraden Peter mit Worten. Und das seit Wochen und Monaten. Irgendwann platzt Peter der Kragen und im Klassenzimmer wirft er ein Buch gegen Daniel.

Unser modernes Rechtssystem würde in den meisten Fällen Peter für schuldig erklären, da Daniels Verhalten nicht “handfest“ erfassbar ist.

Nicht alles ist aber juristisch zu klären. Es gibt auch ein immaterielles Rechtssystem: das Gewissen. Unser Gewissen würde uns sagen, dass Daniel mindestens 50%, wenn nicht sogar viel mehr, der Schuld trägt.

Übertragen wir dieses Beispiel auf die gegenwärtige Realität, dann sehen wir, dass Muslime gedemütigt und diskriminiert werden. Studien belegen diese These. Dieser psychologische Krieg führt dazu, dass Muslime, meist Asiaten mit einem hohen Temperament, sich wie Peter im Beispiel verhalten.

Dieses Verhalten – Proteste mit Gewalt oder Anzünden von Staatsflaggen – soll gar nicht verschönt oder verharmlost werden. Jedoch müssen die Ursachen gewissenhaft und unparteiisch analysiert werden.

So führt die Bloßstellung der muslimischen Kultur zu Radikalisierungen und Ausgrenzungen. Differenzierte Islam- und Integrationsdebatten finden nicht statt. Die Integrationsdebatten sind zu reinen Islamdebatten geworden. Die Islamophobie hat längst zur Islamfeindlichkeit gewechselt.

Dabei sind Presse- und Meinungsfreiheit Werte, die uns allen wichtig sind. Darauf kann nicht verzichtet werden. Auch in Form von Satire, Humor oder anderer Kunst. Sachliche und kritische Äußerungen sind willkommen. Persönliche Beleidigungen jedoch, die darauf abzielen, andere Kulturen oder Gruppen zu schikanieren, und keine Kritiken oder Meinungen beinhalten, die einen Gegenstand sachlich betrachten, sind nicht konstruktiv, sondern führen nur zu Bloßstellungen und eben Auseinandersetzungen.

Wenn also Daniel Peter beleidigt oder auf eine perverse Art und Weise darstellt ist das keine Meinungsfreiheit. Eine Ungerechtigkeit lässt sich nicht hinter dieser Freiheit verstecken.

Letztendlich führen Blasphemie, Demütigungen und Bloßstellungen zu Wut und Ausschreitungen. Denn jeder Mensch hat eine Geduldsgrenze. Die ist irgendwann auch bei dem Geduldigsten erreicht. Das kann jeder an sich selbst nachvollziehen.

Daher muss sich auch Daniel an der eigenen Nase fassen. Den Peter monatelang zu schikanieren und sich dann aufzuregen, dass er ein Buch nach ihm geworfen hat, ist ein höchst barbarisches und mittelalterliches Verhalten und hat nichts mit Vernunft zu tun.

Daher braucht die Gesellschaft mehr Gewissen. Mehr gewissenhafte Menschen. Personen und Gruppen, die sich von jeglicher Art von Demütigung, Bloßstellung und Radikalität distanzieren und sich für mehr Gerechtigkeit, Gewissen, Vernunft und Verständnis einsetzen.

Nur wenn die gewissenhaften Menschen diese Arten der Bloßstellungen und Diskriminierungen verurteilen – auch öffentlich – können Volksverhetzungen reduziert werden. Je mehr Schweigen, desto mehr Provokationen, desto mehr Radikalität. Dies ist die Formel, wenn das Gewissen fehlt.

Cemil Sahinöz, Migazin, 02.10.2012

http://www.migazin.de/2012/10/02/demutigung-der-muslime-fuhrt-zu-protesten/

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