(16.08.2011) Als türkische Cafés getarnte illegale Glücksspielorte

Als türkische Cafés getarnte illegale Glücksspielorte

 

Es gibt sie überall. In jedem Dorf. Sogar mehrere. Die Rede ist von den so genannten „Türkischen Cafés“. Wird tatsächlich angenommen, dass sich diese Cafés durch den Verkauf von Tee finanzieren?

 

 

Wenn man diese Cafés betritt, fällt sofort auf, dass sich dort nur türkische Migranten aus der zweiten und dritten Generation aufhalten. Morgens bis Mittags sind diese Cafés öfters geschlossen, dafür aber offen bis in den Morgengrauen.

Fast alle diese Cafés sind in Deutschland als Vereine eingetragen. Kulturvereine oder Sportvereine sind die beliebtesten Namen dieser Cafés. Obwohl man weder Kultur noch Sport in diesen Räumlichkeiten findet.

Ähnlichkeit mit den “echten”, traditionellen, türkischen Cafés aus der Türkei haben nur wenige. Eigentlich nur, dass auch hier Tee in Strömen fliest. Das war es aber auch eigentlich schon.

Denn in Wirklichkeit sind all diese Cafés keine Cafés, sondern nichts anderes als illegale Glücksspielcasinos, in denen von Nachts bis Morgens gezockt wird. Und nicht selten geht bei Kartenspiel oder “Okey” um große Mengen Geld.

Glücksspielsucht unter jungen türkischen Männern weit verbreitet

Die Fenster sind deshalb meistens zugedeckt. Aus zwei Gründen. Erstens: Damit niemand von außen sieht, dass illegal gezockt wird. Und zweitens: Auf Grund des sozialen Drucks. Die Zocker wollen von Nachbarn oder Verwandten nicht erkannt werden.

 

 

Stichwort Sozialer Druck: In unsere Familienberatungsstelle kommen immer wieder verzweifelte türkische Frauen, die über hohe Schulden und die nächtliche Abwesenheit ihrer Männer klagen. Es ist zwar nicht repräsentativ, aber 28 Prozent der Frauen, die bei mir in die Beratung kommen, weil sie sich scheiden lassen wollen, geben an, dass ihre Männer sich täglich in diesen Cafés aufhalten und hohe Schulden haben.

Nicht nur Frauen sind verzweifelt an dieser Sucht. Auch die Eltern beklagen sich mit steigender Tendenz über die Glücksspielaktivitäten ihrer Jugendlichen. Denn Glücksspiel per se ist ein unter türkischen jungen Männern in Deutschland sehr verbreitetes Suchtproblem, das nicht einmal als Sucht oder problematisch wahrgenommen wird. Daher wird auch nur selten professionelle Hilfe in Anspruch genommen.

“In den Familien wurde das Zocken im Café nie als Problem wahrgenommen”

Auffällig ist, dass gerade diejenigen Jugendlichen glücksspielsüchtig werden, deren Väter eben in diesen Cafés selbst zocken. Da in diesen Familien das Zocken im Café nie als Problem wahrgenommen wurde, sind die Jugendlichen damit sozialisiert worden. Sie kennen es nicht anders. Sie spielen dann zwar selbst nicht in diesen Cafés, sind aber überwiegend Automaten-, Internetpoker- und Oddset-süchtig.

Hieraus ergeben sich nicht nur für Familienberater, Suchtberater und Psychologen Handlungsfelder, sondern auch für das Amtsgericht, Finanzamt und die Polizei. Das Amtsgericht hat zu prüfen, ob diese Cafés als Vereine zugelassen werden können. Das Finanzamt sollte sich über die Finanzierung dieser Cafés Gedanken machen. Die Polizei sollte offensiv gegen die illegalen Glücksspiele in diesen Cafés vorgehen. Razzien in diesen Cafés würde in den allermeisten Fällen eine legitime Schließung der Lokale bedeuten.

Profitieren würden alle davon. Die Frauen, die Eltern, die Gesellschaft, das Finanzamt… ja sogar die Zocker selbst.

 

 

Cemil Sahinöz, deutsch-tuerkische-nachrichten, 16.08.2011

http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2011/08/168853/

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