(15.10.2010) Die schlimmste aller Religionen

Die schlimmste aller Religionen.

Bisschen Satire. Bisschen Ernst. Bisschen Text.

 

“Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich.“

Tyler Durden

 

Nein, es sind ja nicht alle Religionen schlecht, liebe Leser. Doch gibt es da einige besondere, die einen gesonderten Status im Attribut “schlimm“ verdient haben.

 

Und in meinen Augen ist keine “Religion“ schlimmer als die Religion des Neu-Zeit-Menschen: Der Kapitalismus!

 

In der Tat…

 

Kapitalismus ist das niederträchtigste, das verlogenste, das menschenfeindlichste, was die Menschheit je hervorgebracht hat!

 

Da wird einem ständig und überall, von allen Seiten, befohlen: Kauf das, kauf dies, tu´ das! Das schlimme dabei ist, wir tun es auch noch wirklich!

 

Da wird einem vorgegaukelt, dass man sich besser fühlen wird, dass es einem besser gehen wird, dass man Freude am Leben haben wird, wenn man Produkt x kauft.

 

Was bitte schön kann mir Produkt x an Lebensfreude bieten?

 

Überlegen wir einmal, welches vergängliche Produkt kann uns im Leben Freude bereiten?

 

Und es hört ja bei Produkt x nicht auf!

 

Wenn ein Unternehmer im Jahr 2010 20.000€ Umsatz macht und damit absolut zufrieden ist, ist es wiederum schlecht, wenn er im Jahr 2011 den genau gleichen Umsatz macht. Er muss ja, laut dem Kapitalismus, höher liegen als im Vorjahr. Wachstum, Wachstum, Wachstum. Ansonsten hat man etwas falsch gemacht.

 

Denn der Kapitalismus-Gott befiehlt dir: Du sollst immer reicher werden!

 

Angenommen, man verdient im Monat 2500€ brutto. Und man kommt mit diesem Geld wunderbar aus. So wird man dann dazu verleitet, mehr zu kaufen. Produkte, die man nicht braucht. Von diesen wird man dann irgendwann abhängig. Das Geld reicht plötzlich nicht mehr raus. Man braucht mehr Geld. Wenn man dann aber 3000€ pro Monat verdienen würde, würde man sich wieder von anderen Produkten abhängig machen, und das Geld würde wieder nicht reichen… und immer so weiter….

 

Wir kaufen also Produkte, die wir nicht brauchen, um Menschen zu imponieren, die wir nicht mögen, mit Geld, das wir nicht haben.

 

Nur auf diese Weise kann es ja “reiche“ Menschen geben.

 

Machen wir uns nichts vor, es gibt in einer Gesellschaft nur dann reiche Menschen, wenn der Großteil der Menschen den ganzen Mist kauft und für einen Mindestlohn arbeitet.

 

Sie müssen für 10€ pro Stunde arbeiten, damit ihr Chef Millionär wird. So funktioniert die Religion “Kapitalismus“.

 

Nennen wir es also beim Namen: Wer andere Menschen für 10€ pro Stunde arbeiten lässt, ist nichts anderes als ein Sklaventreiber.

 

Und meine muslimischen Geschwister brauchen sich bei diesem Thema nicht rauszureden.

 

Denn obwohl es dutzende Aussprüche des Propheten Muhammed und Koranverse gegen Zinsen gibt, erfinden wir täglich neue Fatwas um doch Zinsen zu nehmen.

 

Eine beliebte Fatwa lautet: Wenn es eine Notwendigkeit ist und kein Luxus, dann kann man Zinsen nehmen!

 

Hm….

 

Hört sich eigentlich gut an. Natürlich nur, wenn man es auch wirklich so umsetzen würde.

 

Denn wie notwendig ist es, dass ich mir ein Haus für 200.000€ mit Zinsen kaufe, wo ich doch in meiner Wohnung ungestört – auch meine Religion ausleben kann?

 

Oder wie notwendig ist es, dass ich mir mit 20 Jahren einen dicken BMW mit Zinsen kaufe, wo das Auto doch nur ein Fortbewegungsmittel von Punkt A nach B sein soll und kein Ego-Aufblas-Mittel?

 

Und das Wort “Luxus“ ist subjektiv. Wo fängt Luxus an und wo hört es auf?

 

Eine andere sehr beliebte Fatwa lautet: Wir leben in einem Nichtmuslimischen Land.

 

Da frage ich mich ganz ernsthaft, was denn bitte schön noch ein muslimisches Land in dieser globalisierten Welt ist? Gibt es dieses Produkt tatsächlich noch?

 

Kann man wirklich noch die Begriffe darul-harb, darul-islam, darul-akd usw. anwenden? Wo sind hier die Grenzen.

 

Wenn die sogenannten “muslimischen Länder“ sich an das Zins-Gebot halten würden, dann sollten sie sich doch keine Sorgen um die Finanzkrise machen, oder?

 

Denn wenn Zakat die Brücke zwischen Arm und Reich bildet, dann sind Zinsen Dynamit für diese Brücke!

 

Wir alle unterstützen die Religion des Kapitalismus, in dem wir Zinsen nehmen und führen dadurch tatkräftig zur Zerstörung dieser Brücke bei.

 

Da brauchen wir uns nichts vorzumachen.

 

Ein Ausspruch, in dem gesagt wird, dass Zinsen schlimmer sind als mit der eigenen Mutter 36 mal Zina vor der Kaaba zu haben oder Koranverse in denen gesagt wird, dass Menschen, die Zinsen nehmen gegen Gott und den Prophet eine Kriegserklärung ausgesprochen (2:178-179) haben, werden nicht ernst genommen weil man sie ganz einfach uminterpretieren kann. Denn es hieße ja „Zinsen nehmen“….

 

Wer ganz schlau ist, ändert einfach den Namen ab. Dann heißt es nicht mehr „Zinsen“, sondern man erfindet einfach einen neuen Namen… Geht auch ruck zuck.

 

Denn das Geschäft mit den Zinsen ist ganz einfach: Man verdient nicht mehr, weil man arbeitet, sondern weil man Geld hat. Nicht für Leistung wird man bezahlt, sondern dafür, dass man Geld hat. Sie verleihen Geld und bekommen es mehrfach wieder. Dafür müssen sie nicht arbeiten.

 

Im Übrigen sind Zinsen im Christentum und im Judentum genauso verboten…

 

Und mit “genauso“ meine ich, dass es verboten ist und sie es trotzdem tun…

 

Da soll mal einer sagen, dass wir nicht alle Geschwister im Glauben sind…

 

*

 

Es hilft alles nichts, liebe Leser.
Geld macht weder glücklich noch schafft es Intelligenz.

 

Kein einziger Euro oder kein einziges Pfund Dollar hat die Bedeutung der Elektrizität entdeckt oder die Dampfmaschine entwickelt. Das Prinzip des anwendungsorientierten Experimentes veränderte unsere Gesellschaft. Und diese Veränderungen sind abhängig vom Nachdenken des Menschen. Bereits beide Weltkriege wurden von den Erfindungen der Techniker und Physiker entschieden: Luftwaffe, Panzer etc. Daher waren die Sieger nach 1945 auf der Suche nach Forschern, wie es heute die Wirtschaft ist. Das teuerste an der Entwicklung eines neuen Gerätes sind nicht die Materialien, sondern die Köpfe. Und dafür braucht man Schulen, technische Universitäten und Laboratorien und schließlich ist ein Algorithmus keine Frage des Kapitals, sondern des Gehirnes. Die Menge der Patente und die Qualität der Algorithmus sind entscheidend (sagte mir einmal Ahmed Wolf Aries).

 

Das Gute an der ganzen Geschichte ist, das Gott ja im Koran sagt, dass er denen Wissen geben wird, die es wollen, aber das Geld nur denen, denen Er es geben will…

 

Ein Trost…

 

Denn glauben Sie mir… Wenn es anders herum wäre, bestünde die Gesellschaft aus 95% reichen Dummköpfen… Denn Witz, der jetzt eigentlich kommen müsste, verkneife ich mir…

 

Ahoi…

Cemil Sahinöz, Islamische Zeitung, 15.10.2010
http://www.islamische-zeitung.de/?id=13873

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