(22.11.2008) Die Definition der Definitionslosigkeit

Die Definition der Definitionslosigkeit

Die Übersetzung islamischer Begriffe

Bei der Übersetzung von Begriffen, die in der islamischen Literatur und Theologie vorkommen, gibt es ein wichtiges hermeneutisches Problem, dass des Öfteren (und immer öfter) außer Betracht gelassen werden. Es geht dabei um einige Begriffe, die ins Deutsche übersetzt werden und somit ihre Konnotation verlieren. Das Lexem wird übersetzt bei gleichzeitigem Austausch der Konnotationen und damit des Assoziationsfeldes. Der Kontext und das Verständnis der Personen, die diese Begriffe verwenden, fallen weg.

Hierbei ist es richtig, von einem Semantikproblem zu sprechen. Wenn der Muslim x sagt, meint er einen anderen Inhalt als der Nichtmuslim, der x hört. Der Nichtmuslim versteht unter x etwas anderes als der Muslim. Sie sprechen also vom gleichen Begriff. Das Wort ist gleich. Dabei meinen beide etwas ganz verschiedenes. Der Inhalt ist verschieden.

So ist es ein Fehler, wenn z.B. „Din“ als „Religion“ oder „Iman“ als „Glauben“ übersetzt werden. Gleichweiser ist „Kader“ nicht „Schicksal“ oder „Vorherbestimmung“. Im Islam gibt es keine Vorherbestimmung, sondern eine Vorhersehung Auch ist „Zekat“ weder eine „Armenabgabe“, „Armensteuer“ noch eine „Almosensteuer“. Diese „übersetzten“ Begriffe geben andere Inhalte wieder, als die originalen Begriffe.

Was ist also zutun?

Es führt kein Weg davon vorbei, als diese Begriffe einzudeutschen. Dass heißt, diese Begriffe müssen in der Literatur genau so verwendet werden, wie im Originalen. In Fußnoten oder im Anhang hat man die Möglichkeit, diese Begriffe mit Inhalt zu füllen. Spätestens in einigen Jahren werden diese Begriffe zur Selbstverständlichkeit. Beispiele hierfür finden wir zahlreiche in der jüdischen Literatur, in der viele Begriffe bereits eingedeutscht sind.

Die islamische Literatur muss den gleichen Weg gehen.

Cemil Sahinöz

Islamische Zeitung – 22.11.2008
http://www.islamische-zeitung.de/?id=11047

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Deutsche Kolumne

3 Antworten zu “(22.11.2008) Die Definition der Definitionslosigkeit

  1. B.K.

    Sehr geehrter Herr Sahinöz,
    as salamu alaikum,

    wir hatten vor einigen Jahren genau dieses Problem und haben uns Gedanken darüber gemacht, wie man bestimmte Begriffe ins Deutsche übersetzen kann. Wir sind auch zu dem Schluss gekommen, dass bestimme Begriffe im Original benutzt werden müssen. Es gab die Idee ein Glossar zu erstellen, wo man die Begriffe aufführt, ihre Bedeutung wiedergibt und auch auf die verschiedenen Schreibweisen eingeht. Es gab auch die Bestrebung eine einheitliche, eingedeutschte Schreibweise zu finden. Nachdem wir solch ein Glossar erstellt hatten, konnten wir die Arbeit nicht fortentwickeln. Wir hatten sogar die Möglichkeit Schreibweisen mit Schüler auszuprobieren und zu schauen, ob die Schüler die Begriffe richtig schreiben oder nicht.

    Falls Sie diesbezüglich weitere Informationen sammeln bzw. erlangen, würden ich mich freuen, wenn Sie mir die Infos zusenden konnten.

    Massalam

    B.K.

  2. Das mit dem Glossar hört sich interessant an. Ich arbeite selber daran, insbesondere für den Gebrauch im islamischen Religionsunterricht, in dem ich als Lehrer tätig bin. Bitte kontaktieren Sie mich doch mal.

    wa alaykum salam,
    Abutarik

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