(02.08.2008) Institutionalisierung der Kampfkunst

Institutionalisierung der Kampfkunst

 

 

Zwischen Kampfsport und Kampfkunst gibt es große Unterschiede. Auch wenn sie von außen betrachtet völlig identisch scheinen, sind bei genauer Hinsicht die Differenzen deutlich erkennbar.

 

Vor allem unterscheidet sich die Intention, und darin liegt auch schon der Kern der Unterscheidung. Bei Kampfsport geht es um eine sportliche Auseinandersetzung, es geht um Ränge, Plätze, Pokale, Meisterschaften, Gürtel. Bei Kampfkunst gibt es keine Ränge, Plätze, Pokale, Meisterschaften oder Gürtel. Es ist, wie der Name schon aussagt, eine Kunst, die man erlernt. Kampfsport ist an festgesetzte Standards, Qualitätsmerkmalen und Institutionen angelehnt, Kampfkunst traditional nicht.

 

Jedoch hat sich Kampfkunst im Laufe der Zeit verändert. Denn auch Kampfkunstschulen und –meister müssen ihr tägliches Brot verdienen. Was auch ihr gutes Recht ist. Jedoch haben sich hier auf Grund der fehlenden Standards und Institutionen willkürliche Handhabungen entwickelt.

 

So gibt es auch Kampfkunstschulen, die maßlos übertreiben, in dem sie dutzende “Ränge“ erfinden, durch die sich der Schüler durchtrainieren muss und bei jedem dieser Ränge eine beachtliche Summe zur Prüfung zahlen muss.
Noch dreister sind allerdings Kampfkunstmeister, die Zertifikate im Internet verkaufen. Ohne ein einziges Mal trainiert zu haben, kann man sich dadurch einen Meister-Schein erkaufen und an die Wand hängen.

 

All dies ist möglich, da es keine Standardisierungen gibt. Da es keine Institution gibt, die Standards festlegt, akkreditiert und überprüft, kann quasi überall auf der Welt zu jeder Welt eine neue “Kampfkunst“ mit eigenen Rängen etc. entwickeln und seine Schüler abziehen.
Gleichzeitig ist es aber grundlegend schwierig Kampfkunst zu institutionalisieren. Wie soll das genau funktionieren? Niemandem kann verboten werden, eigene Kampfkunst zu entwerfen und diese weiterzugeben. Da gibt es genug positive Beispiele, aber eben auch schwarze Schafe. In diesem Dilemma bewegt sich die Kampfkunstwelt in Zeiten der (im soziologischen Sinne gesprochen) Modernität.

 
Cemil Şahinöz

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