(28.06.2008) Großer Erfolg für das Misawa-Forum in einer Forschungsarbeit

In einer Forschungsarbeit für den Lehrstuhl für Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie an der Europa-Universität Viadrina wurden 42 Islam-Foren untersucht. Das Endergebnis zeigt deutlich, dass das Misawa-Forum von Cemil Sahinöz vor allem in den Bereichen „Offenheit“, „Dialog“, „Meinungsfreiheit“, „Toleranz“ und „Demokratisch“ am Besten abgeschnitten hat. Mit freundlicher Genehmigung der Autorin veröffentlichen wir einen Teil aus der Forschungsarbeit:

Misawa

Profil der Teilnehmer

Das Forum Misawa hat sich 1999 gegründet. Somit ist es eines der ältesten deutschsprachigen Islamforen, das gefunden wurde. Nach eigenen Angaben des Webmasters existierte kein Vorbild bei der Gründung. Auch verfolgte der Webmaster keinerlei Intention speziell hinsichtlich eines „deutschsprachigen Islamforums“, sondern er wollte lediglich eine eigene Homepage aufbauen. Die Möglichkeit, den Islam nach Außen repräsentieren zu können, wurde für Herrn Sahinöz erst später klar, und somit hat sich erst im Lauf der Jahre ein explizites Profil von Misawa.de etabliert.

Nach eigenen Angaben soll Misawa ein interreligiöses Forum sein, bei der sich Gläubige verschiedener Religionen gleichberechtigt austauschen können. So heißt es zum Forum: „Misawa.de und das Misawa Islam Forum sind private Webseiten. Sie sind völlig unabhängig von jeglichen Vereinen, Institutionen oder Organisationen. Es ist eine völlig unabhängige private Seite. Jedes Individuum, gleich welcher Weltanschauung, ist hier Willkommen. Niemand wird hier ausgeschlossen, es sei denn es werden rassistische, radikale, verhetzende, verleumderische Bemerkungen gemacht. Auch ist es nicht erlaubt, partei-politische Diskussionen zu eröffnen. Politische Diskussionen werden im Forum nicht geduldet. Spendenaufrufe, egal für wen, wie oder was, sind nicht erlaubt.“

Um sich bei Diskussionen beteiligen zu können, ist lediglich eine formlose Registrierung erforderlich. Sämtliche persönliche Angaben sind freiwillig, und es besteht auch keine Schreibpflicht, um alle Beiträge mitlesen zu können. Ein Vorstellungsbereich für Neuzugänge existiert seit 2005 und wird erst seit 2007 auch häufiger genutzt. Eine systematische Erfassung der Mitglieder ist daher auch nur ansatzweise möglich. Nach der Auswertung dieses Vorstellungsbereiches ergibt sich eine sehr heterogene Mitgliedergruppe. Der Altersdurchschnitt beträgt 25 Jahre, wobei das Geschlechtsverhältnis sehr ausgeglichen ist. Die Mehrheit stellt sich als sunnitische Muslime vor, davon ein halbes Dutzend etwa konvertiert. Es sind aber genauso praktizierende, türkische und schwule Christen, christliche Missionare und „Islamkritiker“ anwesend wie auch Schiiten und eine christlich-orthodoxe Serbin. Trotz dieser Heterogenität seiner Mitglieder kann man dennoch von einem Islamforum sprechen. Dies liegt daran, dass der harte Kern dieses Forums, also die 15 Personen mit den meisten Beiträgen, wie auch die Moderatoren in der Mehrheit gebürtige Muslime mit türkischem Hintergrund sind. Einige Mitglieder dieses Forumkerns wiederum sind noch Schüler. Zudem sind die Themen stark islamisch ausgerichtet. Man kann also sagen, Nichtmuslime haben hier die Möglichkeit, sich mit Muslimen über den Islam zu auszutauschen. Weiter lassen sich vom ersten Eindruck bei Misawa eher (angehende) Akademiker als Nichtakademiker, eher Unverheiratete als verheiratete Muslime mit Familie finden.

So, wie der Hintergrund der Mitglieder sehr unterschiedlich ist, so sind es auch die Gründe, wenn genannt, die zum Besuch dieses Forums führten. Die einen suchen Gleichgesinnte, die anderen möchten sich über den Islam informieren, die dritten wünschen einen Dialog zwischen den Religionen und einige Muslime möchten mehr über „ihre“ Religion erfahren. Nach meiner Einschätzung geht es auch eher um einen individuellen Erfahrungsaustausch als Muslim, denn um die spirituelle Erfahrung und die gegenseitige Glaubensstärkung, auch wenn diese sicherlich auch eine Rolle spielt. Der Webmaster denkt, dass die meisten Mitglieder die „familiäre und tolerante Atmosphäre“ des Forums schätzen, und Muslime hier eine Möglichkeit sehen würden, „den Islam zu repräsentieren“. Unter den Mitgliedern des harten Kerns kennen sich auch einige persönlich und haben wiederum andere Bekannte ins Forum eingeladen. Wer sich im Vorstellungsbereich meldet, wird in der Regel von den älteren Mitgliedern herzlich begrüßt. Allerdings erfolgen weniger Rückfragen zur Person als etwa bei Muslimaboard.

Inhalte und Diskussionen im Forum

Zur Zeit hat das Forum 464 Mitglieder, die zusammen 52. 381 Beiträge geschrieben haben. Allerdings ist der Kern an aktiven Mitgliedern viel kleiner. Etwa ein bis zwei Dutzend schreiben regelmäßig. In diesem Forum gibt es auch türkischsprachige Bereiche. Aber etwa nur ein Sechstel aller Beiträge ist auf türkisch geschrieben, die wichtigsten Diskussionen finden meines Erachtens auf Deutsch statt.

Es existiert auch ein eigener Frauenbereich, der auf Anregung einiger weiblicher Mitglieder im Jahr 2007 gegründet wurde und dem man beitreten kann, sobald man 30 Beiträge geschrieben hat. Hier soll man sich auch über private Dinge austauschen können. Keineswegs geht es darum, eine Geschlechtertrennung in diesem Forum einzuführen. Dies wird explizit abgelehnt.<!–[if !supportFootnotes]–>[1]<!–[endif]–> Wie die Titel dieser Bereiche vermuten lassen, etwa wenn es um die „böse Schwiegermutter“ und den „überfürsorglichen Bruder“ geht, wird hier relativ ironisch und locker mit islamischen Klischeevorstellungen umgegangen.<!–[if !supportFootnotes]–>[2]<!–[endif]–>

Zudem geben eine paar Mitglieder unter der Leitung des Webmasters Cemil Sahinöz eine deutsch- und türkischsprachige Zeitschrift mit dem Namen Ayasofya heraus, die zum „Muslimisch-Christlichen Dialog“ beitragen soll. Augenscheinlich setzt sich diese Zeitschrift, die alle drei Monate herauskommt, stark mit Integrationsfragen von Muslimen in Deutschland auseinander und greift neben anderem die aktuellen Debatten wie „Argumente gegen Moscheebaugegner“, „Ehrenmorde“ oder „Begriffsgeschichte Antisemitismus“ auf. Der Webmaster, der anscheinend den Lehren Said Nursis nahe steht und sich privat und journalistisch in verschiedenen islamischen Gemeinden engagiert (ohne Mitglied in einer Moschee zu sein), spricht sich ganz klar für ein gegenseitiges Kennenlernen und einen interreligiösen Dialog ohne Missionierungsgedanken aus.

Einzelne Themenbereiche:

Im Unterforum „Kritik, Lob, Vorschläge und Fragen“ gibt es insgesamt 1763 Beiträge (Stand 9.10.07). Im Jahr 2007 wurde ein Thread im Durchschnitt 200 mal gelesen. Inhaltlich werden hier Vorschläge zu Änderungen bei Misawa gemacht, zum Beispiel den Vorschlag der Einführung eines Frauenbereiches und vielleicht auch Männerbereiches um intimere Fragen zu klären. Zur Geschichte von Misawa werden Umfragen durchgeführt, und schließlich wird die Frage der Herkunft des Wortes Misawa diskutiert, die zu einem Running gag unter den Mitgliedern geworden ist.

Der Bereich „Just Read“ existiert seit dem Sommer 2007. Inhaltlich setzten sich die Artikel vor allem mit Integrationsfragen in Deutschland und insbesondere mit der Integration des Islams in Deutschland auseinander. So etwa lassen sich Artikel zur Stellungnahme des Koordinationsrates der Muslime (KRM) zur Handreichung der EDK sowie eine Stellungnahme von einem muslimischen Frauennetzwerk (Huda) zur richterlichen Sanktionierung von Gewalt gegen Frauen in der Ehe ebenso finden, wie Artikel zur Verschärfung des Zuwanderungsrechtes, Gewaltattacken gegen Ausländer oder den Überlegungen zur Überwachung von Konvertiten durch Beckstein. Die wenigen Artikel, die internationale Themen behandeln, befassen sich mit türkischen Reformbemühungen oder amerikakritischen Berichten. Die meisten der 36 Themen wurden vom Webmaster selbst ins Forum gestellt. Die Artikel sind nach Angaben des Webmasters nicht unbedingt als Diskussionsbeiträge gedacht , sondern einfach zum Lesen. Meines Erachtens gerade wegen der fehlenden Diskussion scheint das Interesse hierfür vergleichsweise gering. Im Schnitt werden die Artikel nur etwa 40 mal gelesen.

Das Unterforum „Religion und Wissenschaft. Islam, Christentum, Judentum.“ ist mit über 7000 Beiträgen zu über 450 verschiedenen Themen der Bereich, in dem die meisten ernsthaften und ausführlichen Diskussionen zwischen den Mitgliedern geführt werden. Hier habe ich die 25 aktivsten und beliebtesten Diskussionen ausgewertet, um einen Einblick in die Einstellungen des Mitgliederkerns zu erhalten. Diese 25 Diskussionen wurden zwischen 200 und knapp 13 000 mal gelesen und enthalten zwischen 20 und 694 Antworten. In diesem Bereich werden sowohl rein theologische Fragen behandelt, wie auch Fragen, die konkrete Details des alltäglichen Lebens von Muslimen und deren Zusammenleben mit Nichtmuslimen betreffen. In den drei aktivsten Diskussionen wurde zwischen Muslimen und Nichtmuslimen über Beweise zur Existenz Gottes, zur Evolutionstheorie und zur Wissenschaftlichkeit des Korans gestritten. Diese Diskussionen zogen sich jeweils über drei Jahre hin. Ohne auf inhaltliche Details einzugehen, da sie für diese Arbeit unrelevant sind, wird bei den Diskussionen deutlich, dass der Kern des Forums der Administrator und eine Handvoll anderer Muslime ist, die versuchen, ihre Positionen gegenüber anderen zu verdeutlichen.

Religiöse Autoritäten

In diesem Forum gibt es keine dominante Internetquelle, die von allen bei religiösen Fragen als „wahr“ und glaubhaft angesehen wird, sondern je nach Thema werden unterschiedliche Quellen herangezogen, wobei deutschsprachige Quellen nach meiner Einschätzung dominieren.<!–[if !supportFootnotes]–>[3]<!–[endif]–> Während ein Teil der muslimischen Mitglieder anscheinend durchaus viele Vorteile in Internetquellen zur religiösen Wissensaneignung entdecken kann, ist der Webmaster Cemil Sahinöz allerdings dem Internet als Quelle religiöser Wissenserweiterung gegenüber ziemlich kritisch eingestellt. So äußerte er im Interview: „Weil für mich persönlich steht im Internet zuviel Mist. Das kann ich nicht sortieren und ausfiltern, was richtig oder falsch ist.“ Aber auch andere Mitglieder rieten in Beiträgen dazu, sich religiöses Wissen lieber zuerst aus Büchern anzueignen.

Die unterschiedlichen Einstellungen und Positionierungen zu religiösen Autoritäten im Internet lassen sich auch gut an der Diskussion „Pierre Vogel – Wahhabiten“ über den deutschen Prediger Pierre Vogel<!–[if !supportFootnotes]–>[4]<!–[endif]–> ablesen, an der sich fast ausschließlich muslimische Mitglieder beteiligten. Drei Positionen wurden hier formuliert. Die Mehrheit der Mitglieder fanden seine Reden gut, wovon eine Stimme aber auch meinte, man sollte dessen Aussagen immer kritisch überprüfen. Eine Muslima äußerte sich sogar sehr begeistert zu dieser Art des Internetangebotes: „also persönlich kenne ich ihm auch nicht, aber ich finde die videos klasse. einfach zu verstehen, interessant und enthalten viele beispiele aus dem alltag. er bringt es auch teilweise auf eine witzige art und weise rüber, so motiviert es den zuschauer dazu es sich bis zum ende anzuschauen.“

Die zweite Position äußerte sich klar und deutlich gegen Pierre Vogel und in diesem Zusammenhang gegen eine islamische wahabistische Sichtweise, die dieser vertrete und begründete dies mit vielen Quellen und Belegen. Zudem wurde hier Pierre Vogel sogar teilweise als gefährlich gesehen: „Ich mein seine Projektidee ist ja auch gut, nur der Inhalt ist falsch. Wie ich finde auch die Methode. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie manche die seine Videos sehen, nix mehr mit Islam zu tun haben wollen….diewahrereligion.de hat soviel Besucher täglich und wenn die dann solche sachen erzählen, ist es ganz einfach eine Gefahr. Deswegen muss man dass nennen um zu warnen.“

Innerhalb der dritten Position hingegen, äußerte man sich kaum zu Pierre Vogel an sich, sondern machte darauf aufmerksam, dass man andere Personen und deren Einstellungen nicht so schlecht machen und eher „das Gute“ sehen solle.

Auch innerhalb des Forums gibt es nicht „eine“ Autorität, deren Meinung vom Rest immer als richtig anerkannt wird, sondern es gibt verschiedenen Mitglieder, die in bestimmten islamischen Fragen als „Experten“ gelten und anerkannt werden. Diese Wissensautorität ist geschlechtsunabhängig. So gilt die eine Administratorin unter den Forumsmitgliedern als Expertin für die Unterscheidung der verschiedenen Rechtsschulen im Islam. Ihr Wissensvorsprung in diesem Bereich ist ihr persönlich auch bewusst und sie fordert selbstbewusst ihre Stellung bei den anderen ein, etwa bei der Diskussion Shia und Sunna, bei der sie die andern Teilnehmer darauf hinweist, am besten die Unterschiede der Rechtsschulen aus schiitischer Sicht erklären zu können. Auch wenn es darum geht, die Richtung und den Ton einer Diskussion zu beeinflussen, nehmen Frauen und Männer eine gleichberechtigte Stellung ein.

Oft wird bei Diskussionen zu religiösen Fragen unter muslimischen Mitgliedern auch flapsig und ironisch miteinander umgegangen. Zum Beispiel bat ein Muslim die anderen um ihre Meinung, ob es aus religiösen Gründen ratsam sei, sich noch als Erwachsener beschneiden zu lassen. Daraufhin wurde ihm von einer Muslima generell zugeraten, allerdings nicht ohne den Hinweis auf die passende Kleidung für danach: „Vielleicht sollte man aber trotzdem zuvor sich mal im schottischen Bekleidungsfachgeschäft umschauen…“

Verortung zur Gesellschaft

Hinsichtlich der Einstellung gegenüber Nichtmuslimen und Muslimen lassen sich zwei Meinungen im Forum herauslesen. Die Kernmitglieder des Forums haben insgesamt die Einstellung, weder über Nichtmuslime noch über Muslime im Sinne von Gläubigen und Ungläubigen urteilen zu können und zu dürfen. Nur eine Muslima, die auch antisemitische Tendenzen aufweist, für einen schariatischen Staat eintritt und von einem Kultkurkampf zwischen Westen und Islam spricht, ist überzeugt, dass Nichtmuslime „Ungläubige“ seien und automatisch in die Hölle kämen: „Die Worte Allahs wurden an jeden herabgesandt. An jeden von uns, mit keiner Ausnahme. Wer sich dem widersetzt widersetzt sich auch Gott gegenüber. So und wie bezeichnt man sowas? Das brauche ich dir sicher nicht zu sagen das weißt du selber.“ Hier wird ihr vehement widersprochen: „Ich kenne ganz viele Nichtmuslime (ich hasse den Begriff „Ungläubige“), die spenden viel mehr und viel netter als Muslime.“ Später wird er noch deutlicher: „Wie kannst du überhaupt sagen, dass Nichtmuslime alle schlecht sind oder nicht spenden oder was weiß ich? Wie kannst du so etwas nur sagen?? Millionen von Muslimen leben auf der Welt und haben solche Sätze noch nie gebraucht. Und nun kommst du und fabrizierst so etwas.“ Der Rest der Kernmitglieder ist sich einig, dass man selbst nicht das Recht habe, einen Nichtmuslim zu verurteilen: „Hüten sollten wir uns nur davor, uns zum Richter zu erheben. Wir wissen nicht, was wirklich in den Herzen der Menschen geschrieben steht, das weiß nur Allah alleine.“

Auch hinsichtlich anderer Muslime, die eindeutig islamische Regeln brechen, etwa Alkohol trinken und vorehelichen Geschlechtsverkehr haben, ist man sich einig, deren Verhalten zwar als „sündig“ zu bewerten, diese aber nicht als „ungläubig“ zu verurteilen: „Sündigen ist nicht das selbe wie Ungläubigen. Wenn Gläubige Menschen nicht sündigen würden, bräuchte der Schöpfer uns nicht.“ Ein weiterer fügt hinzu, dass man mit der Beschuldigung des Unglaubens sündige Muslime eventuell noch weiter vom Islam entfernen würde. So gibt es in diesem Forum nicht die Vorstellung von nur einer richtigen islamischen Lebensweise, sondern generell werden verschiedene religiöse Interpretationen akzeptiert.

Auch die Muslima, welche Nichtmuslime als Ungläubige bezeichnet, stimmt hier mit den anderen überein, andere Muslime nicht zu verdammen, argumentiert aber vor allem mit dem strategischen Argument, dass der Zusammenhalt der Umma nicht gefährdet werden dürfe. Gleichzeitig geht sie davon aus, dass es eine eindeutig richtige und falsche Verhaltensweise gebe: „Allah weiß es am besten, doch wir menschen sollten wircklich nicht hinter anderen muslimen äußerungen abgeben, sondern versuchen sie in die richtige richtung zu leiten. wir sind die ummah und müssen zusammenhalte.überleg doch mal,wenn sich schon die muslime untereinander aufhetzen, wie sollen sie dann gegen die ungläubigen widerstand leisten? wir müssen aufhören immer nur das schlechte in einem muslim zu sehen.“

Insgesamt vermeiden fast alle Muslime das Wort „Ungläubige“ und sprechen statt dessen von „Nichtmuslimen“. Auch gegen Antisemitismus sprechen sich die meisten explizit aus. Als bei einer Diskussion über die Frage, ob man Coca-Cola trinken dürfe, eine Muslima spezifisch antisemitische Gründe angab, die dagegen sprächen<!–[if !supportFootnotes]–>[5]<!–[endif]–>, wurde sie nach einiger Zeit deutlich von der Moderatorin und dem Webmaster zurechtgewiesen „Hey Leute ich finds ehrlich gesagt echt nicht gut, wenn einige sagen, man soll keine Produkte von Juden kaufen. “Kauft nicht vom Juden“ war zur NS-Zeit eine weit verbreitete Parole und auf dieses Niveau lass ich mich nicht herab. Es ist eine Sache, wenn ihr Konzerne wie CocaCola nicht unterstützt, aber generell zu sagen, man solle nicht von jüdischen Firmen kaufen ist echt…“ Ein anderer konvertierter Muslim wehrt sich vehement gegen einen Vorwurf des islamischen Antisemitismus und versucht dessen Verbreitung unter vielen Muslimen zu erklären: „Auch ist der angebliche Antisemitismus politisch motiviert & nicht religiös & ist auch historisch -geographisch begrenzt , was ihn nicht besser macht als den latenten islamophoben Hasstiraden gegen Muslime & Muslimas.“

Dialog mit Nichtmuslimen: Der „perfekte Muslim“ in Deutschland

Da dieses Forum explizit auch zum interreligiösen Dialog einlädt, lassen sich eine Reihe von nichtmuslimischen Mitgliedern in diesem Forum finden. Diese Leute haben sich zum Teil intensiv mit den Themen Islam, Islamismus und islamischer und christlicher Geschichte auseinandergesetzt. Sich selbst definieren sie teilweise vorrangig als Christen, teilweise vorrangig als „Islamexperten“. Die Diskussionen zwischen „Wissensexperten“ auf muslimischer wie nichtmuslimischer Seite (meines Wissens nach alle männlich) dienen nach meinen Recherchen allerdings eher der eigenen Selbstbeglaubigung und der Widerlegung der anderen Seite. Um Verständnis und Verständigung geht es hier nicht, wobei die nichtmuslimische Seite in der Regel eindeutig ausfallender und beleidigender ist. <!–[if !supportFootnotes]–>[6]<!–[endif]–> Diese Art der Diskussionen verhindert dann eine kritische Selbstreflexion als Muslim, wie sie in Diskussionen zwischen muslimischen Mitgliedern durchaus stattfindet. In solchen Fällen verhindert die interreligiöse Debatte eine innerreligiöse Debatte.

Die Vorurteile, die Muslimen entgegentreten, lassen bei diesen die Frage entstehen, ob und wann ein Dialog überhaupt sinnvoll und konstruktiv ist, um Vorurteile gegen den Islam auszuräumen.

Insgesamt haben alle Muslime im Forum das Gefühl, wegen ihrem Glauben in Deutschland diskriminiert zu werden. Insbesondere den deutschen Medien wird dafür die Schuld gegeben. Daher werden deutsche Medien zwar kritisch beäugt, generell abgelehnt werden sie von der Mehrheit nicht. Dies bezeugt die regelmäßige Zitierung deutscher Onlinezeitungen.<!–[if !supportFootnotes]–>[7]<!–[endif]–> Im Forum wird daher die Frage öfters diskutiert, wie die Lage als Muslim in Deutschland einzuschätzen sei und wie man Vorurteile abbauen könne. Dies wird bei der Diskussion „wie führt man eine Diskussion mit einem Nichtmuslim?“ deutlich, bei der sich viele Mitglieder des Forumskerns beteiligen. Einig sind sich alle in der Ansicht, sich als Muslim in der Gesellschaft vorbildhaft verhalten zu müssen, um überhaupt überzeugend sein zu können.<!–[if !supportFootnotes]–>[8]<!–[endif]–> Einer gibt den Tipp, nur über den muslimischen Glauben zu sprechen, wenn man gefragt werde. Von einigen wird auch daraufhin gewiesen, dass es nur Sinn mache, mit denen zu diskutieren, die offen und tolerant dem Islam gegenüber seien, aber man generell „immer dazu bereit sein solle, Fragen zum Islam zu beantworten“: „Niemals mit Dickköpfen diskutieren. Das bringt nichts. Denn eine Diskussion sollte man ja nicht führen, um zu „gewinnen“. Dickköpfe wollen aber immer Recht haben. Deshalb nützt eine derartige Diskussion gar nichts.“ Eine andere Muslima meint dazu: „das beste ist mein bleibt ruhig, denn wichtig ist, die wissen wirklich gar nichts über uns (wenn dann sind es vorurteile). ich versuche den nichtmuslimen den „richtigen“ Islam zu erklären… was aber in zeiten von ehrenmorden und selbstmordattentätern nicht leicht ist!!!“ Wieder ein anderer denkt: „Mehr als jmd zum Nachdenken anzuregen, kann man nicht machen.“ Zudem sind sich die meisten der muslimischen Kernmitglieder einig darin, dass man nicht versuchen sollte, jemanden zum Islam zu bekehren. Ein weiterer betont die Wichtigkeit, gut deutsch sprechen zu können.

Haltung zu Deutschland als demokratischer Staat

Das Gefühl der Diskriminierung im Alltag lässt die Frage entstehen, wie die Gesamtsituation von Muslimen in Deutschland von den Kernmitgliedern eingeschätzt wird und wie die Einstellung zum demokratischen Säkularstaat ist. Dies wird gut ersichtlich anhand zweier Diskussionen. Zum einen in dem Thread mit dem Titel „Dschihad im Koran“, der 419 mal gelesen wurde und 23 Beiträge erhält und zum anderen in der Diskussion „Ist Saudi-Arabien ein islamisches Land?“ In beiden Threads wird deutlich, dass die Mehrheit der Mitglieder sich nicht generell als Muslim vom Westen bedroht oder sogar verfolgt fühlt, sei es in Deutschland oder als Umma. Dschihad wird für die heutige Zeit daher von einem Mitglied nicht als Kampf definiert, sondern folgendermaßen: „Heute bedeutet Dschihad Entschlossenheit, Ausdauer, Nachsicht und hingebungsvolles, geduldiges Gebet. Wir sind berechtigt, zu lehren und zu erklären. Wir wollen aber niemanden nötigen, und werden dies auch in Zukunft nicht tun.“ Dieses Mitglied betont mehrmals, dass es keinen Zwang im Glauben gebe und weist auf die Toleranz gegenüber Andersgläubigen in der Geschichte islamisch-geprägter Länder hin.<!–[if !supportFootnotes]–>[9]<!–[endif]–>

Speziell für Deutschland sind sich die meisten einig, dass die Demokratie ihnen eine freie Religionsausübung ermögliche. Ein Mitglied weist zwar auf undemokratische Diskriminierungen gegen Türken in einzelnen europäischen Staaten hin, kommt aber zu dem Schluss: „Aber zumindestens haben wir „Demokratie“, und können uns glücklich schätzen nicht in einer Diktatur zu leben. Es gibt wenige Plätze auf der Erde, wo es Leuten so gut geht.“ Auch andere Mitglieder halten die Lebenssituation in Deutschland für Muslime generell für gut: „Deutschland ist zwar kein „islamisches“ Land (was immer das auch sein soll), aber es ist ein Land, in dem die Muslime ziemlich „frei“ leben können. Ich meine jetzt nicht, dass es die Muslime in BRD nicht diskriminiert werden. Aber im Vergleich zu anderen „islamischen“ Ländern, sind Muslime in BRD gut dran.“

Zwar befürworten einige Muslime eine schariatische Gesellschaftsordnung an und für sich, denken aber, dass dazu bestimmte gesellschaftliche Voraussetzungen nötig wären, die so nicht gegeben seien. Ein Mitglied meint, dass die Scharia zu Zeiten des Propheten zwar seine Richtigkeit gehabt hätte, die Einführung heute als Staatsform angesichts der „Vielfalt der Menschen“ und der Gefahr des Missbrauchs durch Einzelpersonen heute nicht mehr sinnvoll sei. Insgesamt sind sich auch alle Mitglieder einig, dass es heutzutage keinen schariakonformen „islamischen Staat“ auf der Welt gebe, wohl aber muslimische Länder mit eben muslimischer Bevölkerung.

Die Individuelle Diskriminierung von Muslimen in Deutschland wird von einem Mitglied dann auch nur als ein zeitbedingtes Phänomen interpretiert, dem man gegenüber geduldig zu sein habe: „Ich denke, das man die Entwicklung und in weiterer Folge die Akzeptanz der mehrheitlich nicht muslimischen „(Ur)“-Einwohner in Deutschl, sich in einem natürlchen Maß innerhalb eines Zeitfensters bewegt. Wenn man das Maß stört, dann ist es kontraproduktiv. Die Leute brauchen einfach ihre Zeit, das alles zu verstehen. Eine massives vorwärtsbewegen wollen, entgegen eines Wiederstands läst nur Misstrauen und Unmut hervor.“ Er deutet für sich die Diskriminierung als gläubiger Muslim sogar positiv als eine Chance um, seinen Glauben an Gott gegenüber zu stärken: „Wir sind mit unserem Schicksal hierher geboren worden, unter diesen Umständen zu versuchen uns Möglichkeiten & Umstände für die Ausübung der Pflich herrauszuarbeiten. So ein Glück, insallah wird uns der Namaz höher angerechnet und breitet unsere Taqua bei Allah noch mehr positiv aus.“

Nur eine Muslima, selbst Gymnasiastin, spricht sich explizit gegen einen demokratischen Rechtsstaat aus, den sie als unvereinbar mit der schariatischen Gesellschaftsordnung ansieht. In ihren Beiträgen kommt auch die Einstellung zum Ausdruck, dass der Westen systematisch versuche, die Umma zu unterdrücken, und dass man als Muslim die Aufgabe habe, dagegen anzukämpfen.<!–[if !supportFootnotes]–>[10]<!–[endif]–>

Von den anderen Mitgliedern übt keiner direkte Kritik an ihren Beiträgen. Teilweise werden ihre Artikel einfach ignoriert und man bezieht sich auf den vorangegangenen Beitrag eines anderen Mitgliedes. Durch eine indirekte Gegenüberstellung gegenteiliger Ansichten, versucht man nach meinem Eindruck klar zu machen, dass man ihre Meinung nicht teilt, ohne einen direkten Streit auszulösen und dieses Mitglied vielleicht ganz zu verlieren.

Zusammenleben zwischen Muslimen und Nichtmuslimen: zwischen Abgrenzung und Angleichung

Generell sprechen sich die muslimischen Kernmitglieder für eine Integration und ein Zusammenleben mit Nichtmuslimen in Deutschland aus. Auch hier ist allerdings die Einstellung „Integration ohne Assimilation“ zu beobachten, bei der es darum geht, nicht seine islamische Identität zu verlieren. In welchen Situationen man sich als Muslim an die Mehrheitsgesellschaft anzupassen habe und wann abzugrenzen, wird in mehreren Diskussionen diskutiert, etwa in dem Thread „Halloween, Silvester, Weihnachten, Geburtstage bei Muslimen?“ bei der auf Anregung eines Nichtmuslims die Frage entstand, ob und wie Muslime diese Feste feiern würden. Hierzu hatten die Mitglieder allerdings unterschiedliche Einstellungen. Ein Muslim meinte, man solle generell keine nichtmuslimischen Feste mitfeiern. Die Mehrheit wollte oder würde allerdings hierbei Kompromisse eingehen, gerade wenn hiervon auch Kinder betroffen sind. So würde ein Muslim zwar selbst niemals Geburtstag feiern, seinem Kind dies allerdings nicht vorenthalten.

Bei der Frage, ob und wie Weihnachten gefeiert werden sollte, äußerte der Webmaster: “…Weihnachten: Ein Muslim kann, wenn er annimmt, dass es das Geburtstag des Propheten Jesus (Friede sei auf Ihm) ist, Ihm zu Ehren den Koran lesen, extra Gottesdienste machen usw. Aber auf keinen Fall mit Geschenken, Tannenbäumen oder so.“ Den Verzicht auf Tannenbaum und Geschenke empfand allerdings eine zum Islam konvertierte Mutter als sehr schwer durchführbar, da sie ihre Kinder ja nicht enttäuschen wolle. Auch die anderen Muslime fanden es in diesem Fall sehr schwierig, eine auch für die Kinder nachvollziehbare Lösung zu finden. Ein Muslim schlug eine Reduktion des Feierns vor:“Wenn die Kinder das bisher gefeiert haben und jetzt plötzlich damit aufhören, wird in ihrem Unterbewusstsein verankert: ´Der Islam verbietet mir etwas, was wunderschön ist!‘ Und das wäre gefährlich. Vielleicht könntest du zwar mit ihnen Weihnachten feiern, aber jedes Jahr es reduzieren.“ Andere muslimische Elternteile teilten mit, an Weihnachten ihren Kindern dennoch kleine Geschenke zu machen und bestimmte Bräuche wie Singen und Kekse backen zu pflegen. Nicht eine geringe „islamische Glaubenspraxis“ und ein „gering entwickeltes Selbstbewusstsein“ steckten dahinter, wie ein anderes muslimisches Mitglied vermutete, sondern das Gefühl, die Kinder bei den ganzen Weihnachtsdekorationen und Feiern im Kindergarten und in der Schule nicht traurig machen zu wollen. Wichtig sei es, den Kindern und sich selbst klar zu machen, dass man eben nicht Weihnachten feiere, sondern den Geburtstag des islamischen Propheten Isa. Ein weiteres muslimisches Mitglied freute sich ganz offensichtlich auf die „Nebenwirkungen“, welche die Weihnachtszeit auch für Muslime habe: „Von der Weihnachtszeit „profitieren“ wir insoweit, dass wir uns leckere Weihnachtssüßigkeiten kaufen (mmmhhh lecker!) und altbeliebte TV-Filme angucken. J Meistens achten unsere deutschen Mitmenschen nicht darauf, dass oder ob wir Muslime sind oder nicht sondern sagen zu uns während der Weihnachtszeit einfach wahllos „Fröhliche Weihnachten“, was wir selbst nie sagen, aber aus Freundlichkeit erwidern: „Gleichfalls meinerseits/unsererseits“.“ Einig waren sich die Mitglieder in dem Wunsch, dass in Zukunft die islamischen Feste in Deutschland prachtvoller und öffentlich sichtbarer gefeiert werden sollten, damit ein Festtagsgefühl aufkomme.

Die Kernmitglieder von Misawa achten auch auf die Einhaltung islamischer Essensregeln. Auch hier lassen sich, ähnlich wie bei Muslimaboard, Diskussionen beobachten zu Alkohol- und Gelantinegehalt in Lebensmitteln, oder die Frage , welche Farbstoffe pflanzliche oder tierische Bestandteile enthalten. So lässt sich auf den ersten Blick kein großer Unterschied zu Muslimaboard feststellen, was die Selbstdisziplinierung beim Essen angeht. Allerdings lassen sich wesentliche Unterschiede bei der Begründung von Essensgeboten ausmachen.

So lehnen zum Beispiel bei der Diskussion, ob man in „normalen“ Restaurants als praktizierender Muslim essen dürfe, die Meisten dies nicht kategorisch ab, sondern empfinden sich als „potenzielle Kunden“, auf die Restaurants verzichten müssen, wenn sie die Wünsche ihrer Kunden (in dem Fall die Garantie helal-Essen servieren zu können) nicht erfüllen könnten. Auch bei der Frage, was in Supermärkten gekauft werden kann und was nicht, wird in dieser Weise argumentiert. Man empfindet sich als praktizierender Muslim mit seinen Sonderwünschen eben auch als potenzielle Kaufkraft, bei der Hersteller auch Interesse haben könnten, an ihnen zu verdienen. Hier wird klar, dass man sich selbst als einen selbstverständlichen Bestandteil der deutschen Gesellschaft wahrnimmt. An religiöse Bedürfnisse wird auch ganz pragmatisch herangegangen.<!–[if !supportFootnotes]–>[11]<!–[endif]–> Man identifiziert sich nicht als eine diskriminierte religiöse Minderheit, sondern sieht sein eigenes Potenzial und seine Person mit individuellen Bedürfnissen. Ein Wunsch nach Abgrenzung von der nichtmuslimischen Mehrheit wird nicht formuliert. Ein Verweis auf Sünde, wenn man als Muslim nicht auf Helal und Haram achtet, fällt auch nicht. Vielmehr gilt hier die Frage nach einer Befolgung islamischer Speiseregeln als individuelle Angelegenheit.

Insgesamt setzten sich die meisten für ein bewusstes Engagement in der „deutschen“ Gesellschaft ein, um das Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu verbessern, wobei Muslime den ersten Schritt machen sollten.<!–[if !supportFootnotes]–>[12]<!–[endif]–>

Stellung von Mann und Frau

Die Diskussion „Erlaubt es der Koran Frauen zu schlagen?“ wird nur zwischen den muslimischen Teilnehmern des Forums geführt. Ein Muslim stellt diese Frage, wobei er selbst davon überzeugt ist, dass dies verboten sei und ist traurig, dass die Mehrheit der deutschen Gesellschaft das Gegenteil denke. In der weiteren Diskussion wird über den umstrittenen Koranausschnitt 4:34 und seine Interpretation gestritten, der gemeinhin als Beweis für oder gegen das Züchtigungsrecht des Ehemannes herangezogen wird. Einig sind sich alle Teilnehmer, ob männlich oder weiblich, darin, dass generell Gewalt gegen Frauen unislamisch und meist nicht zu rechtfertigen sei.<!–[if !supportFootnotes]–>[13]<!–[endif]–> Nicht einig sind sich die Muslime, ob der Koran Schläge in der Ehe kategorisch ausschließe, oder eben in Ausnahmesituationen doch erlaube. Zwei Muslime verstehen das Schlagen als einen rein symbolischen Akt, der „eher beleidigend als körperlich verletzend“ gemeint sei und als letzter Schritt vor einer Scheidung und im Zusammenhang islamisch verbotener Handlungen der Ehefrau erlaubt sei. Eine Muslima fügt hinzu, dass selbst in solch einer Ausnahme, dieser „Klapps“ keine körperlichen Spuren hinterlassen dürfe. Sie gibt dazu ein Beispiel, dass selbst kleinste Kratzer, die man sich im Alltag hole und nicht weh täten, schon Spuren auf der Haut hinterlassen würden. Dies ist für sie der Beweis, dass eben von einer Billigung körperlicher Züchtigung in der Ehe keine Rede sein könne. Ein weiterer Muslim stellt schließlich verschiedene deutsche Übersetzungen jenes Koranausschnittes nebeneinander, um zu zeigen, dass „Schlagen“ ganz unterschiedlich gedeutet wurde. Er selbst findet für sich die Übersetzung „(…)Diejenigen (Ehefrauen), deren mutwillige Verweigerung ihr fürchtet, sollt ihr (zunächst) ermahnen, dann sie in den Ehebetten meiden und (zuletzt) euch von ihnen (für eine Weile) trennen!“ am überzeugendsten. Zudem spricht er sich dafür aus, kurze Koranübersetzungen wie folgende: „(…)Und diejenigen, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet, ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.“ zu verbieten, da so eben Missverständnisse und Missbrauch durch Ehemänner entstehen könnten.

Zwangsheiraten werden klar und generell abgelehnt und als Folge von Traditionen, patriarchalischen Familienstrukturen oder persönlicher Nutzenmaximierung gesehen, wobei die Medien beschuldigt werden, dieses Thema fälschlicherweise immer in Verbindung mit dem Islam zu bringen.<!–[if !supportFootnotes]–>[14]<!–[endif]–>

Auch in anderer Hinsicht setzten sich die Mitglieder explizit für mehr Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Viele sind sehr bildungsorientiert und gegen ein Berufsverbot von Ehefrauen und Töchtern. So meint ein Vater: „Wenn meine Tochter nicht studieren geht, streiche ich ihr Taschengeld! J

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<!–[endif]–>

<!–[if !supportFootnotes]–>[1]<!–[endif]–> So rief ein weiblicher Neuzugang im Forum sehr viel Unverständnis bei den Kernmitgliedern hervor, als sie genau aus diesen Gründen in den Frauenbereich hineinollte. Ein Muslim meinte dazu: „ähh… wie bitte ?!? Der Islam trennt Mann und Frau doch nicht in jeder Situation?! Der Islam ist doch keine weltfremde Religion, die irgendwo auf dem Mars herrscht!!“ Der Zugang wurde ihr von den anderen Frauen verweigert und schließlich wurde ihr nahe gelegt, sich mit solchen Einstellungen besser ein anderes Islamforum zu suchen: „jaa keiner zwing dich, hier zu bleiben… du solltest wirklich dir foren suchen, wo nur frauen sind!!! Du hast Behauptungen da dreh ich durch……….Tschüss! Geh mal in diesen Forum, da sollen Männer und Frauen getrennt sein: www.frauendürfenkeinautofahren.de“.

<!–[if !supportFootnotes]–>[2]<!–[endif]–> Die einzelnen Headlines im Frauenbereich lauten folgendermaßen: „-Frau im Islam/Alltag (für persönliche Erfahrungen, wies mit Jobs mit Hijab aussieht, Erlebnisse, die einen beschäftigen und für Männerohren nicht geeignet sind); Ehe & Familie (Fragen zur Heirat, Kinder, böse Stiefmütter und überfürsorgliche Brüder); Pflege und Wellness (Kosmetiktipps – ja, die brauchen wir wirklich! – Gesundheitsfragen, Hygiene, Sport, gerne auch Kleiderfragen usw)“

<!–[if !supportFootnotes]–>[4]<!–[endif]–> Pierre Vogel ist ein zum Islam Konvertierter. Auf seiner Homepage www.diewahrereligion.de verbreitet er in Videovorträgen die Lehren des Islams. Vielleicht kann man ihn als ersten erfolgreichen deutschsprachigen Cybermufti bezeichnen. Denn er ist in keiner speziellen Moschee oder Verein aktiv, sondern hält seine Predigten in Moscheen nach deren Einladung. Nach einem Studium der Islamwissenschaften in Deutschland, studierte er in Saudi-Arabien an der Universität von Mekka. Vgl. „Ick bin ein Muslim jeworden“ von Christoph Ehrhardt Weder. In: FAZ.net am 06.09.2007. Von Der Zeit wird er „der Superstar dieser neuen Welle radikaler islamischer Frömmigkeit“ genannt. Danach konnte seine Homepage seit 2006 fünf Millionen Zugriffe aufweisen. Vgl.: „Die lässigen Gehirnwäscher“ von Julia Gerlach. In: Zeit.de am 04.10.2007. Weder auf der Homepage der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, der Islamischen Zeitung oder beim Zentralrat der Muslime in Deutschland lassen sich Stellungsnahmen zu Pierre Vogel finden.

<!–[if !supportFootnotes]–>[5]<!–[endif]–> „….denn mit dem kauf helfen wir den juden/amerikanern unsere geschwister zu attackieren. somit unterstützen wir doch auch die amerikaner bzw die juden im kampf gegen palästina.“

<!–[if !supportFootnotes]–>[6]<!–[endif]–> Zum Beispiel ersichtlich in diesem Zitat: „Ich kritisiere nicht!!! L , dass Muslime der Meinung sind, das Christentum sei eine Irrlehre! Sollen sie das doch glauben! Ich kritisiere, dass Muslime (jawoll „wahre“ Muslime und keine „Junkies“ L ) Christen köpfen, vergewaltigen, zwangsislamisieren, vertreuiben usw.!! Hast Du das jetzt kapiert?“ Nach meinem Eindruck, der allerdings nicht systematisch untersucht wurde, lassen sich in Islamforen allgemein sehr viele „Islamkritiker“ finden, die pauschale Vorurteile haben und in den Foren dafür Bestätigung suchen. Absurd wird es, wenn etwa wie in diesem Forum geschehen, sich Muslime in einer Diskussion darauf einigen, Gewalt in der Ehe als unislamisch zu verurteilen und dann von einem Nichtmuslim darauf verwiesen werden, den Islam nicht richtig verstanden zu haben.

<!–[if !supportFootnotes]–>[7]<!–[endif]–> So werden Spiegel Online, dpa, Fokus, aber auch die Islamischen Zeitung oder Muslim-Markt und das FriedensJournal zitiert.

<!–[if !supportFootnotes]–>[8]<!–[endif]–> „Natürlich sind wir, die in Deutschland lebenden Muslime dafür verantwortlich und müssen an uns und unserem Verhalten arbeiten…. Wir dürfen kein guter Moslem sein, wie müssen ein perfekter sein. Wir dürfen auch nicht die kleinste Regel unterstützen und vernachlässigen. Also kann man so die ach so mächtigen Medien, welche nicht gestoppt werden zu können scheinen, machtlos zu machen. Zumindest in unserer Umgebung. Das andere das Islamische Bild wieder zu zerstören scheinen, geht uns zunächst einmal nichts an. Was ein weiterer Vorteil dabei ist, ist, dass man somit Gott näher kommt, das ist wohl naheliegend.“

<!–[if !supportFootnotes]–>[9]<!–[endif]–> Allerdings ist seine Einstellung gegenüber Muslimen, die vom Glauben abkehren, um so rigoroser. „Wenn der betreffende Mensch darauf besteht, vom Islam abzufallen, muss er trotzdem dazu eingeladen werden, es sich noch einmal zu überlegen und zu bereuen. Wenn das Angebot zu bereuen ausgeschlagen wird, droht ihm die Todesstrafe. Keine geringere Strafe könnte den Abscheu der Gesellschaft vor dem Bruch des Vertrages mit Gott zum Ausdruck bringen.“

<!–[if !supportFootnotes]–>[10]<!–[endif]–> „Heute hat dieser Konflikt zwischen Iman und Kufr globale Dimensionen erreicht; es ist zu einem Konflikt der muslimischen Umma und den Verfechtern des Unglaubens und des Kufr, repräsentiert durch die USA und seine Verbündeten, geworden. Die anhaltende Besetzung des Irak ist ein weiteres Kapitel in dem Plan dieser finsteren Mächte, Muslime brutal zu ermorden, ihre Gebiete unrechtmäßig zu besetzen und ihre Ressourcen zu verschlingen, sowie dabei den Kufr in Form der kapitalistischen Lebensweise über uns zu bringen.“ Weiter schreibt sie: „Islam und Kapitalismus/Säkularismus können niemals gemeinsam existieren. Unsere Liebe für Allah (s.w.t.) und Seinen Gesandten (s.a.w.) verbietet es uns, die Ideen und Lösungen des Kufr für unsere Angelegenheiten zu übernehmen. Der Islam verpflichtet uns vielmehr, die uneingeschränkte Souveränität Allahs (s.w.t.) in allen Bereichen des Lebens, seien es individuelle Bedürfnisse oder aber gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Bereiche, zu implementieren.“ „Heute ist die Zeit für uns gekommen, zu entscheiden, ob wir den Islam vollständig in unserem Leben und in unserer Gesellschaft implementieren und die Existenz des Kampfes von dem Kufr gegen den Islam wahrnehmen wollen oder nicht…… Wir können und dürfen nicht diesem Kampf unbeteiligt entgegenstehen, der doch den Kern unseres Iman angreift und zerstören will. Unsere Verantwortung zu ignorieren bedeutet gleichzeitig, die Zerstörung unserer Gesellschaft billigend in Kauf nehmen zu wollen.“

<!–[if !supportFootnotes]–>[11]<!–[endif]–> So argumentiert eine Muslima bei der Frage, ob man ein ausdrücklich Helal geschlachtetes Hähnchen bei Aldi kaufen könne: „Ich kann mir übrigens vorstellen, dass, wenn solche Betriebe Anklang finden, noch in sehr viel mehr Bereichen der Nahrungsmittelherstellung auf uns zu gegangen werden könnte. Ich meine, die Betriebe gehen ja nun mal auch nach ökonomischen Gesichtspunkten…. Bloß wenn wir von vornherein ablehnend reagieren und sagen: „Das Hähnchen kauf ich nicht, das is von Aldi“ , obwohl es halal geschlachtet wurde – was für einen Anreiz bieten wir den Firmen dann?“

<!–[if !supportFootnotes]–>[12]<!–[endif]–> „Wie so oft haben wir als Muslime haben meist das Gefühl „fremd im eigenen Land“ ,dabei liegt es nicht an den anderen ,sondern an uns selbst……. Wir sind verpflichtet uns in dieser nichtmuslimischen Gesellschaft zu engagieren , dass heisst aber auch erstmal in unserem Umfeld , das heisst :Familie , Freunde , Bekannte & Fremde.“

<!–[if !supportFootnotes]–>[13]<!–[endif]–> Ein Muslim zitiert dazu: „Der beste Mann ist unter euch derjenige, der seine Frau am besten behandelt.“ Ein anderer meint: „…für mich gilt Gewalt gegen Frauen als primitiv & reaktionär.“ Eine weitere Muslima stellt klar: „Ein Mann, der eine Frau schlägt, ist kein Mann“

<!–[if !supportFootnotes]–>[14]<!–[endif]–> Diese Haltung geht aus der Diskussion Zwangsheirat im Islam hervor. Da die Frage allerdings provokativ von einem Nichtmuslim gestellt wurde, und sich keiner der Teilnehmer als Muslim verantwortlich für Zwangsheiraten fühlte, wurde nicht weiter thematisiert, was man dagegen unternehmen könne. Eine Verantwortung als Muslim wurde von den Mitgliedern ablehnt.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter News, Berichte, Presse

Eine Antwort zu “(28.06.2008) Großer Erfolg für das Misawa-Forum in einer Forschungsarbeit

  1. Yasin

    Herzlichen Glückwunsch. Weiter so.

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