(01.06.2008) Buchrezension: Wie das weiße Haus die Welt belügt

Wie das weisse Haus die Welt belügt

CIA-Persönlichkeit gibt Einblick aus erster Hand

Vietnam, Korea, Bosnien, Afghanistan, Irak, Guantanamo… bald Iran? Diese Länder verbindet etwas: Krieg, Ausbeutung, Gewalt. Immer wieder hören, lesen und sehen wir in den Medien, wie „wichtig“ ein Eingreifen in „terroristische“ Länder ist. Doch in die tiefere Wahrheit dieser Geschehnisse hat ein Normalbetrachter keinen Zugang. Ein Grund mehr, um dieses faszinierende Buch zu lesen.

Tyler Drumheller, langjähriger CIA-Chef Europa, gewährt Einblick in den inneren Machtzirkel des Weißen Hauses und des US-Geheimdienstes. Im Mittelpunkt von Drumhellers Buch stehen die Hintergründe des Irak-Krieges. Er schildert, wie trickreich und perfide Washington die Weltöffentlichkeit hinters Licht geführt hat – und welche zentrale Rolle der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) dabei spielte.

Der Autor Tyler Drumheller war ein loyaler Angehöriger des US-Geheimdienstes CIA, der für mehrere Präsidenten – von Ronald Reagan bis George W. Bush – arbeitete und dabei bis zum Europa-Chef aufstieg. In seine Amtszeit fallen spektakuläre Verschleppungen von Al Qaida Verdächtigen wie dem Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri. Von der Position des Europa Chefs aus beobachtete er mit wachsender Bestürzung und Empörung, wie die CIA immer mehr zum Spielball der Regierenden wurde.

Massenvernichtungswaffen als Propagandamittel

In seinem Bericht, der in den USA für großes Aufsehen sorgte, beschuldigt der Top-Agent den amerikanischen Präsidenten, Geheimdienstinformationen massiv manipuliert zu haben. Die Bush-Administration wusste, dass Saddam Hussein über keinerlei Massenvernichtungswaffen verfügte. Doch die Bomben auf Bagdad waren längst beschlossene Sache.

Drumheller saß in Langley in der ersten Reihe und konnte so die Aktivitäten von Dick Cheney, Condoleezza Rice, Colin Powell und George Tenet zur Vorbereitung des Irak-Krieges verfolgen. Im Mittelpunkt dieses Enthüllungsbuches steht ein dubioser Informant des deutschen Bundesnachrichtendienstes, der unter dem Decknamen „Curveball“ Aussagen über Massenvernichtungswaffen machte und den Falken im Weißen Haus zur Propaganda diente.

Für Drumheller war klar, dass „Curveball“ ein Schwindler sein müsste. So wurde die US-Regierung mehrmals gewarnt, die „Beweise“ und Dokumente dieses Informanten über den Irak und seine „Massenvernichtungswaffen“ nicht zu beachten. Doch es hilft alles nichts. Die Antwort der Regierung auf Drumhellers Warnung ist kurz und knapp: „“Es ist an der Zeit, dass Sie lernen, dass es nicht mehr um Informationen geht. Es geht um einen Regimewechsel.“

Einblicke aus erster Hand

Im Buch wird klar dargestellt, wie „Sündenbocke“ entstehen und wie die „Spielregeln“ des Krieges und der Manipulation festgelegt werden. Hintergrundinformationen zum 11. September, womit ein neues Kapitel der Kriege beginnt, gewähren dem Leser ein neues Blickfeld der Tatsachen.

Die politische Brisanz und auch die kritischen Ansichten des ehemaligen CIA-Europa-Chefs machen dieses Buch zu einem spannenden Insider-Dokument und politischen Lehrstück. Sein Bericht zeigt, dass es eine Alternative zum Krieg gegeben hätte, „die das Leben vieler Amerikaner und Iraker gerettet und die Welt sicherer statt noch gefährlicher gemacht hätte.“

So bietet Drumhellers Bericht, was nur Insidern möglich ist: Einblick aus erster Hand in die Beziehung zwischen CIA und Bush-Administration sowie genauen Aufschluss darüber, wie Amerika den unheilvollen Krieg im Irak angezettelt hat.

Cemil Sahinöz

Erschienen in: KISMET – 10.11.2007

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