(04.03.2008) Buchrezension: Der Gotteswahn

Der Gotteswahn, DawkinsBuchrezension: „Der Gotteswahn“

von Richard Dawkins,

erschienen im Ullstein Verlag

Als religiöser Mensch kann man Dawkins´ Meinungen tolerieren. Jedoch nicht seinen aggressiven Stil. Dawkings behauptet tatsächlich in diesem Buch, dass die monotheistischen Religionen schuld am Verderben der Welt seien. Gott und die religiösen Menschen seien Schuld an Allem. Dadurch verlagert er die eigentlichen Quellen der Probleme wie Habgier, Ignoranz, Macht, Ansehen und Ausbeutung auf eine Glaubensrichtung von Milliarden von Menschen. Gerade in der Zeit, in der zu viel Arbeit, Kraft und Energie für Kriege verschwendet wurden, sollte man den Frieden propagieren und die wahren Probleme herausfiltern und nicht Milliarden von Menschen für Leid und Elend beschuldigen. Weder die Kreuzzüge noch die heiligen Kriege sind religiöser Quelle. Vielmehr sind sie nur ein Vorwand für politische Motive. Doch das tut Dawkins nicht.

Auch ist „Der Gotteswahn“ ein Beleg für die pseudowissenschaftliche Arbeitsweise Dawkins´. Während er noch vor Jahren versuchte, wissenschaftlich gegen die Religion vorzugehen, entwickelte er sich mit seinen Veröffentlichungen und öffentlichen Auftritten zu einem fanatischen Kreuzzügler gegen Gott und Religion. Dies ist allerdings für einen Wissenschaftler nicht annehmbar. Daher wirken seine Aussagen und Argumente in diesem Buch zu polemisch und fanatisch.

Die vier großen Thesen des Buches lauten folgendermaßen:

  1. Wissenschaft und Religion sind gegensätzlich. Glaube ist blind. Wissenschaft beruht auf Belegen.
  2. Auch wenn es so aussieht, als sei die Welt gezielt erschaffen, ist es in Wirklichkeit nicht so.
  3. Eine Welt ohne die Religionen wäre eine Welt voller Frieden. Es gibt keinen Krieg, den Atheisten geführt haben.
  4. Evangelium ist erfunden.

Nun zunächst einmal muss man anmerken, dass Dawkins immer von Naturwissenschaft spricht, wenn er „Wissenschaft“ meint. Die Geisteswissenschaften sind bei seinen Thesen ganz ausgeblendet.

Versuchen wir nun die Thesen Dawkins´ zu widerlegen:

  1. Die Krankhafte Gegenüberstellung von Wissenschaft und Religion führt dazu, dass Wissenschaft selbst zu einer dogmatischen Religion wird. Beides, Religion und Wissenschaft, versuchen dann auf ihre Art und Weise, die „Wahrheit“ herauszufinden. Diese kann man aber nur durch die Kombination beider erreichen und nicht durch die Trennung. Hierzu Said Nursi: „Die Wissenschaft von der Religion ist das Licht des Gewissens. Die Naturwissenschaft spiegelt das Licht der Vernunft wider. Die Wahrheit wird offenbar durch die Vereinigung der Beiden. Wenn sie getrennt sind, kommt es zu Fanatismus in der Religion. Und es entstehen Argwohn und Zweifel in der Wissenschaft.“ Fraglich ist, wie die Naturwissenschaft Attribute wie Schönheit, Hass oder Liebe erfassen will. Welche empirischen Forschungen können mit ihren Instrumenten diese offensichtlich existierenden Gefühle erfassen? Hier gibt Dawkins keine klare Antwort. Er verweist lediglich auf empirisch erklärbare Phänomene. Müsste man nun nicht fragen, ob jemand den Verstand von Dawkins jemals empirisch erwiesen hat? Ohne polemisch zu werden, würde man nur nach dem empirischen gehen, würde man die Welt nicht begrenzen? Es darf nicht vergessen werden, dass Wissenschaft nur ein Zugang zur Wirklichkeit ist. Nur einer unter vielen. Wir brauchen daher weitere Zugänge, wir z.B. die Religion.
  2. Es ist beeindruckend, dass Dawkins´ einsieht, dass die Welt genau perfekt für den Menschen ist. Das Antropolische Prinzip, dass also die Welt gerade genau so sein muss, damit überhaupt Menschen existieren können, kann er nicht abstreiten. Jedoch ist er der Meinung, dass dieses millimetergenaue System von einer blinden Theorie, wie der Evolutionstheorie, erklärt werden kann. Dass die ET voller Lücken ist, sei kein Problem, denn in der Zukunft würde man dieses Problem lösen.
    Gegenwärtig stellt Dawkins´ folgende These auf: Es gab sehr viele Universen, die sich alle aus sich selbst heraus entwickelten. Diese gingen aber unter, da kein Mensch auf ihnen leben könnte. Dawkins entwirft also eine Multiversum-Theorie, die nicht nur unseriös ist, sondern auch nur auf Spekulationen beruht.
  3. Die dritte These Dawkins wurde sogar von Atheisten selbst verworfen. Man denke da nur an den Kommunismus, an Stalin, Lenin oder Mao, die millionen von Menschen auf dem Gewissen haben. Diese hatten letztendlich ein atheistisches Regime und kämpften gegen die Religionen an.
  4. Die Belegung dieser These überlassen wir unseren christlichen Freunden.

Cemil Sahinöz

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Rezensionen

2 Antworten zu “(04.03.2008) Buchrezension: Der Gotteswahn

  1. Weder die Kreuzzüge noch die heiligen Kriege sind religiöser Quelle

    Da wollte ich eigentlich schon aufhören zu lesen. Sind die Anhänger / Krieger der Kreuzzüge und Glaubenszüge in dem Wissen losgezogen, dass Sie bloß unter dem Deckmantel des religiösen handeln? Wurde so für die Sache rekrutiert?
    Wenn ich es schaffe einen eigentlich guten Mann durch Argumente des Glaubens dazu bewegen kann anderen Menschen unter Anwendung von Gewalt einen anderen Glauben aufzuzwingen, so ist das doch sehr bedenklich. Wie können Sie behaupten, dass die Kreuzzüge und Glaubenskriege nicht religiös begründbar sind????
    Nur weil drei Anführer dem Kampf vollbewusst den religiösen Deckmantel überziehen?

    Die vier Thesen die Sie aus dem Buch gezogen haben:
    1 Wissenschaft und Religion sind gegensätzlich. Glaube ist blind. Wissenschaft beruht auf Belegen.
    Was wäre denn, wenn der Glaube die Wissenschaft verdrängt. Der Glaube hat keinen Vorschungsdrang, weil Sie schon alles weis: „Gott wars
    2 Auch wenn es so aussieht, als sei die Welt gezielt erschaffen, ist es in Wirklichkeit nicht so.
    Wo haben Sie das denn gelesen. Gibt es schon einen weiteren Teil, den ich nicht zur Hand hatte. Oder sowas wie nen Hiddentrack auf Cd’s?
    Eine Welt ohne die Religionen wäre eine Welt voller Frieden. Es gibt keinen Krieg, den Atheisten geführt haben.
    Ebenfalls nicht im Buch. Was im Buch steht, dass die Welt ein friedlicherer Ort wäre. Überlegen Sie doch einmal wieviele Taten aus religiösen Gründen und wieviele Taten aus atheistischen Gründen vollzogen werden, und genau so müssen Sie die Sache sehen. Wer fliegt aus atheistischen Gründen in Wolkenkratzer?
    Evangelium ist erfunden.
    Nicht erfunden, es wurde im stille Post Stil geschrieben. Erzählen Sie doch morgen bei der Arbeit mal eine Geschichte, die so interessant ist, dass Sie sichergehen können, dass diese weitererzählt wird. Mit etwas Glück bekommen Sie diese Geschichte in einer vollkommen übertriebenen Version wiedererzählt. Warum wurden denn Evangelien in denen Jesus Superkräfte wie Harry Potter hatte nicht in die Bibel aufgenommen. Weil das selbst damals unglaubwürdig war.

    Vielleicht sollten Sie das Buch nochmals lesen

  2. @Freidenker

    zitat:
    Da wollte ich eigentlich schon aufhören zu lesen.

    Das zeugt ja eigentlich nach Vorurteilen. Man sollte erst einmal versuchen, die Gegenseite zu verstehen.

    zitat:
    Sind die Anhänger / Krieger der Kreuzzüge und Glaubenszüge in dem Wissen losgezogen, dass Sie bloß unter dem Deckmantel des religiösen handeln? Wurde so für die Sache rekrutiert?

    Das Ziel war nicht nur, die Asiaten und Afrikaner zum Christentum zu bekehren, sondern auch die „Landfläche“ zu erweitern. Dies waren Motive der Kreuzzüge. Die Motive der Nichtreligiosen Krieger waren wiederum andere. Die Kriege auf religiöse zu reduzieren ist eine Verleumdung der Geschichte.

    zitat:
    Wenn ich es schaffe einen eigentlich guten Mann durch Argumente des Glaubens dazu bewegen kann anderen Menschen unter Anwendung von Gewalt einen anderen Glauben aufzuzwingen, so ist das doch sehr bedenklich.

    Dies kann man nicht verhindern, da wir alle Menschen sind. Hitler hat es auch geschafft, ein ganzes Volk zu bewegen. Manipulierbar sind Menschen seit je.

    zitat:
    Wie können Sie behaupten, dass die Kreuzzüge und Glaubenskriege nicht religiös begründbar sindFragezeichen?

    Ganz einfach: Der Islam verurteilt diese Kriege. 1,5 Milliarden Muslime verurteilen es. Nur weil es ein paar Tausend befürworten, kann man dann behaupten, sie wären religiös? Wäre dies nicht ungerecht?

    zitat:
    Was wäre denn, wenn der Glaube die Wissenschaft verdrängt. Der Glaube hat keinen Vorschungsdrang, weil Sie schon alles weis: “Gott wars

    Das sagst du, weil du „christlich“ denkst. Der Muslim sagt nicht „Gott wars“, sondern „Gott hat es durch x und y gemacht“. x und y ist die Wissenschaft.

    zitat:
    Wo haben Sie das denn gelesen. Gibt es schon einen weiteren Teil, den ich nicht zur Hand hatte. Oder sowas wie nen Hiddentrack auf Cd’s?

    Wenn du weitere Dawkins Bücher und Aufsätze gelesen hast, wirst du mir zu stimmen. Dawkins selbst schreibt, dass die Welt durch keinen Zufall entstanden ist, aber auch kein Ziel da ist. Dies ist seine Meinung. Sein Ausweg: Darwinismus.

    zitat:
    Ebenfalls nicht im Buch. Was im Buch steht, dass die Welt ein friedlicherer Ort wäre. Überlegen Sie doch einmal wieviele Taten aus religiösen Gründen und wieviele Taten aus atheistischen Gründen vollzogen werden, und genau so müssen Sie die Sache sehen. Wer fliegt aus atheistischen Gründen in Wolkenkratzer?

    Es fliegt auch keiner aus religiösen Gründen in Wolkenkratzer. Dies sind politische Gründe.

    zitat:
    Warum wurden denn Evangelien in denen Jesus Superkräfte wie Harry Potter hatte nicht in die Bibel aufgenommen. Weil das selbst damals unglaubwürdig war.

    Wie begründest du „nicht in die Bibel aufgenommen“? Wer hat entschieden, was rein darf, was nicht?

    zitat:
    Vielleicht sollten Sie das Buch nochmals lesen

    Das tu ich mir nicht noch einmal an. Ich warte aber auf sein nächstes Buch. Vielleicht solltest du einmal den Koran lesen.

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