(25.04.2007) Friendship of the Civilizations – Dialog der Kulturen

Dialog der Kulturen

Friendship of the Civilizations

In einem Zeitalter, in dem der Begriff „Clash of the Civilizations” nicht mehr Theorie, sondern eher Medien-, Macht- und Werbemittel ist, ist der Dialog der Kulturen, den ich “Friendship of the Civilizations” nenne, wichtiger als den je.

Beginnen möchte ich meine Ausführungen mit einem Spruch des IV. Kalifen Ali, der da sagte: „Der Mensch mag das nicht, was er nicht kennt!“ Man könnte diesen Satz als die Quelle des oben zitierten Clashs nehmen. Erst wenn sich die Menschen kennenlernen, übereinander und voneinander Lernen und merken, dass sie eigentlich gar nicht so verschieden sind, wie sie sich dachten, entsteht Verständnis füreinander und der Untertitel meines Beitrags kommt zu Stande; nämlich Friendship.

Auch der Soziologe Wolf Lepenies zweifelt am „Kampf der Kulturen“. Er glaubt nicht, dass ein unausweichlicher „Kampf der Kulturen“ der Welt bevorsteht und setzt stattdessen auf ein „Hoffnungsbild kultureller Lerngemeinschaften“.

Ja, die multikulturelle Gesellschaft ist viel homogener als wir immer denken oder einige glauben möchten. „Das Unbekannte“ oder „der Fremde“ kommen einem öfters „anders“ vor. Erst das Aufeinanderzugehen, Sichkennenlernen eröffnet neue Sichtweisen und neue Perspektiven.

So sind die Menschen laut einem Vers im Koran bewusst und absichtlich vom Schöpfer unterschiedlich erschaffen worden, damit sie sich aneinander kennenlernen. Diese Unterschiedlichkeit soll die Neugier zueinander erwecken; die Neugier, sich kennenzulernen.

Dieser Vers ist der folgende: „O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Angesehenste von euch bei Gott, das ist der Gottesfürchtigste von euch“ (Der Koran: 49,13).

Da ich kein Theologe bin, überlasse ich die Interpretation dieses Verses dem Islamgelehrten Said Nursi, der folgendes dazu sagt: „Damit ihr die Anlässe des gesellschaftlichen Lebens kennen lernt, euch dabei gegenseitig unterstützt und nicht euch gegenseitig verleugnet und miteinander im Streit liegt“ (Nursi, 2004, S.444).

Nursi war der Meinung, dass die Muslime nicht nur unter muslimischen Mitgläubigen zusammenhalten sollten, sondern auch mit den wahrhaft Frommen und mit den christlichen Geistlichen; sie sollten nicht auf die Meinungsverschiedenheiten eingehen und streiten. Damit meinte Nursi nicht, dass es zwischen Muslimen und Christen keine Unterschiede gibt oder diese unwichtig seien. Vielmehr meint er, dass die „ausschließliche Konzentration auf diese Unterschiede, sowohl die Moslems als auch die Christen von ihrer noch wichtigeren Aufgabe abhalten kann, der modernen Welt eine Lebens- und Gesellschaftsvision anzubieten, in dessen Zentrum der Glaube an Gott steht und dessen moralischer Wertmaßstab der Glaube und das Suchen des Gotteswillens ist“ (Michel, 2004, S.17).

Die Unterschiede zwischen den Religionen sind also gegeben. Doch diese sollten nicht das Zentrum des Zusammenlebens bilden. Die Gemeinsamkeiten können mit einem aufrichtigen Dialog hergestellt werden, frei dem Motto: Dialog verbindet Menschen!

Weiterhin heißt es im Koran: „Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift“ (Der Koran: 29,46). „Gott verbietet euch nicht, denen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft haben und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, Pietät zu zeigen und Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Gott liebt ja die, die gerecht handeln“ (Der Koran: 60,8). Hier wird dem Muslim geraten gütig zu sein und billig zu verfahren. Die Leute der Schrift sind laute dem Koran die Juden, die Christen und die Sabäer.

Vom Islam her sind also dem Dialog der Religionen und der Kulturen keine Schranken gesetzt. Wichtig ist nur, dass die Aufrichtigkeit betont wird. Ein Dialog kann nur geführt werden, wenn auf beiden Seiten Aufrichtigkeit gezeigt wird und keine „zweifelhaften Spielchen getrieben“ werden. So steht z.B. die Missionierung genau im Gegenteil des Dialogs. Eine gegenseitige Missionierung führt zu Zwietracht und Missverständnissen.

Dem „Friendship of Civilizations“ steht also nichts im Wege. Nur die Bereitschaft und die Aufrichtigkeit zum Dialoge muss gezeigt werden. Es steht also eine menge Arbeit vor uns! Packen wir es an!

Cemil Sahinöz

Literatur:

· Der Koran. Übersetzung von: Khoury Adel Theodor. Unter Mitwirkung von Abdullah Muhammed Salim. Gütersloher Verlagshaus: Gütersloh, 1987

· Michel T.: Christlich-Islamischer Dialog und die Zusammenarbeit nach Bediüzzaman Said Nursi. Söz Basim: Istanbul, 2004

· Nursi S.: Die Briefe. Sözler Verlag: Istanbul, 2004

Erschienen in Ayasofya Nr.19, April 2007

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