Reinigt der Zweck die Mittel? Das Ziel der Anwältin ist positiv. Keine Frage. Sind es aber auch die Mittel? Die Autorin beschuldigt, beleidigt und diskriminiert die türkische Kultur. Dabei überträgt sie ihre völlig subjektiven, eigenen Erfahrungen auf die Gesamtheit der Türken in Deutschland. Wenn es nach ihr geht, ist die türkische und muslimische Kultur unintegrierbar und undemokratisch. Das Integrationsproblem verlagert sie komplett auf die in Deutschland lebenden Türken und wirft ihnen so einiges vor. Das kommt Ihnen alles bekannt vor? Sicherlich! Denn die Autorin macht nichts anderes, als sich in eine Welle der Necla Keleks und Seyran Ates´ zu werfen. Und dies gelingt ihr mit Bravur.
Cemil Sahinöz
Sehr geehrter Cemil Sahinöz,
Gülsen Celebi hat viele Erfahrungen, und es steht ihr damit ganz besonders zu, ihre Erfahrungen zu sagen.
Cemil Sahinöz möchte den Paragraphen ‘Beleidigung des Türkentums’ den Europäern plausibel machen? Das wird schwierig, denn fiebrige Kollektivismen sind Relikte und Fossile aus der kulturellen Vormoderne, die außerhalb der NPD glücklicherweise den heute meist recht individuierten Deutschen ziemlich egal.
Rechtsanwältin Gülsen Celebi spricht über das Milieu der Zwangsheiraten und Ehrenmorde. Dieses Milieu gibt es, das ist erst einmal festzuhalten, im türkischen und islamischen Kulturraum, und zwar geprägt und gespeist durch sowohl türkische wie auch islamische Motive und Traditionen. Ferner gibt es derartige mysogyne Milieus bei Jesiden, Hindus, südosteuropäischen oder ostafrikanischen Christen, afrikanischen Stammeskulturen und so weiter.
In meiner Stadt lagen tote Frauen auf dem Pflaster, Türkinnen, von Vater und Ehemann erstochen. Ich bin Deutsche, im Zuwanderungsmilieu finden Ehrenmorde statt mit Berufung auf al-Namus, Scharia, Türkentum/Kurdentum und Tradition. Und ich meine, ich habe ein Recht darauf, dieses Thema anzusprechen. Ich bin froh, dass Leute wie Celebi dasselbe tun.
Im arabischen heißt es Ehre-Waschen, nicht Ehrenmord. Gemeint ist dasselbe.
In Großbritannien gibt es eine große Zahl an Ehrenmorden unter den Parallelgesellschaften der Leute aus Pakistan und Bangladesh. Das ist traurig und deshalb müssen wir darüber sprechen, egal ob wir jetzt türkisch, kurdisch, albanisch, deutsch, englisch oder ‘was weiß ich’ sind.
Türken können auf ihre klasse Küche, ihre Volkslieder, ihre schönen Landschaften und auf eine handvoll Intellektuelle stolz sein, ich hoffe, es werden noch mehr Gebildete, ich habe kein Interesse an dummen und ungebildetetn und bildungsverweigernden Türken (bin ja kein antitürkischer Rassist).
Die türkische Kultur und Geschichte hat (wie jede) Licht … und Schatten, Lobenswertes und Verabscheuenswertes.
Sehr geehrter Herr Diplom-Soziologe Cemil Sahinöz: was verabscheuen Sie an der türkischen, patriarchalischen, ihren Armeniervölkermord vertuschenden, homosexuellenfeindlichen, vom radikalen Islam gefährdeten … Kultur?
Immer nur ‘beleidigt’ die Nase in die Luft zu stecken oder wie ein Kleinkind bääääh zu plärren, wenn ein Nichttürke oder Türke etwas Kritisches über das (in der Tat wenig demokratische) Kleinasien redet oder schreibt. Das ist nicht würdig. Das ist was für Jammerlappen. Das ist unmenschlich. Das ist unmännlich. Das wird die Türkei ins Mittelalter zurück treiben.
Ich kenne eine andere Türkei. Die von Pamuk und Celebi und Kelek und Cileli, die an Pädagogik und Psychologie geschulte und gereifte Türkei: die Türkei der kulturellen Moderne.
Mit freundlichen Grüßen
Martina
Von: parallelgesellschaft am August 7, 2008
um 3:03
Sehr geehrter Herr Sahinöz,
Wollen sie tatsächlich behaupten, Mord aus falsch verstandener Ehre, Zwangsheirat und Kinderehen gehören zur türkischen Kultur?
Ist es ein tötungswürdiges Verbrechen, wie eine Deutsche leben zu wollen?
Bezeichnen Sie es als Kultur, wenn der möglichst minderjährige Sohn von seiner Sippe unter unvorstellbaren Druck gesetzt wird, seine Schwester zu töten, die angeblich die Ehre der Familie beschmutzt?
Ist es Kultur, wenn der Ehemann aus Kränkung des Namus seine trennungswillige Ehefrau und seine Tochter erschießt?
Eine solche Haltung wäre allerdings kulturell vormodern und widerspricht den Erkenntnissen und Segnungen der Aufklärung, von denen auch Sie, Herr Sahinöz, profitieren.
Würden alle Türken und Türkinnen so denken, wäre das ein sicheres Indiz, dass die Türkei den Anschluss an das 21. Jahrhundert noch nicht gefunden hat und damit sicherlich nicht in die Europäische Gemeinschaft aufgenommen werden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Roswitha Winterscheid
Von: Roswitha Winterscheid am August 7, 2008
um 3:26
An Roswitha Winterscheid und Martina (parallelgesellschaft)
Wieso verdreht ihr dem Rezensionisten die Worte im Munde. Er schreibt doch nicht, dass Ehrenmorde etc. etwas negatives sind oder nicht angesprochen werden sollten. Er schreibt, dass Celebi das Problem nur auf die türkische Kultur verlagert, genauso wie ihre Kollegen/innen Ates, Pamuk, Kelek etc.
„Sehr geehrter Herr Diplom-Soziologe Cemil Sahinöz: was verabscheuen Sie an der türkischen, patriarchalischen, ihren Armeniervölkermord vertuschenden, homosexuellenfeindlichen, vom radikalen Islam gefährdeten … Kultur?“
Das ist aber verdammt rassistisch?! No comment dazu.
Von: Martin Bachhaus am August 7, 2008
um 11:16
Wie sollte man nicht mit Sahinöz übereinstimmen. Das Buch ist verlogen von vorne bis hinten. Angeblich will die Autorin Celebi sich gegen „Zwangsehe“ usw. aussprechen. In wirklichkeit versucht sie den Islam nieder zu machen. Kein Wunder, dass sie dafür applaudiert wird.
Von: Hamza am August 9, 2008
um 11:20
Sehr geehrte Leserinnen Roswitha Winterscheid und parallelgesellschaft Martina,
zunächst einmal vielen Dank für Ihre Kommentare.
Gewiss bin ich kein Verteidiger der Schandtaten, die im Buch von Celebi erwähnt werden. Darum geht es mir nicht. Es geht um die Scheinheiligkeit der Autorin. Hinterrückst greift sie sowohl den Islam als auch die Türken an.
Man kann sogar aus dem Buch rauslesen, dass sie eine große Antipathie gegen die Türkei hat.
Die Autorin ist aber keine Soziologin, sondern Juristin. Also sollte sie auch ihren Job machen und nicht soziologische Analysen wagen. Dies gilt ebenfalls für Kelek und Ates, die schon beide mehrfach von Soziologen kritisiert worden sind, für den Hass, den diese beiden zwischen Türken und Deutschen scheren.
Herzliche Grüße
Cemil Sahinöz
Von: misawatruth am August 9, 2008
um 3:43